Aus echtem Mondholz geschnitzt: Der Molzbachhof

Nur einen Katzensprung von Wien entfernt: Wie man im Molzbachhof in den Wiener Alpen erfolgreich entschleunigt – Schlafen im neuen Holzhotel.

Das Wechselgebiet in den Wiener Alpen hat es auch nicht leicht: Die Lifte sperren zu, die touristischen Infrastruktur wird gleichzeitig zurückgefahren und allen diesen kleinen, ehemals geschichtsträchtigen österreichischen Sommerfrische Regionen scheint eines gemein zu sein: das traurige „Semmering  Dilemma“, wie Hotel & Touristik in der aktuellen Ausgabe titelt.

Wenn am nahen Semmering Häuser wie das Panhans, das Panoramahotel Wagner und schon sehr viel länger das legendäre Südbahnhotel (wird hoffentlich im Rahmen des Kultur.Sommer.Semmering 2018 auch heuer wieder bespielt) nach der Reihe verschwinden – und das trotz ihrer glanzvollen Vergangenheit als Hotels an der mondänen Südbahnstecke – wie sollen sich dann St. Corona am Wechsel, Kirchberg und Konsorten weiterhin behaupten? Als „Wittgenstein-Region“? Als Erlebnisregion Wechselgebiet mit Erlebnisalm Mönichkirchen, der Familienarena St. Corona (nur noch 1 Kinderlift) und der mit der Semmering-Wechsel Panoramaloipe (siehe http://www.region-wechselland.at)?

Das neue Holzbach – der Holzzubau des Molzbachhofes (Haupthaus rechts im Bild). Davor das winterlich verwaiste Schwimmbiotop.

Der Molzbachhof setzt auf Mondphasenholz, Natur und „Cook the Gart´l“

Das Naturhotel Molzbachhof, ein Familienbetrieb in Kirchberg am Wechsel, hat dennoch ausgebaut und zwar gleich ordentlich. Der wunderbare neue Zubau namens „Holzbach“ ist aus gänzlich anderem Holz geschnitzt: Aus Mondphasenholz vom österreichischen Holzguru THOMA nämlich. So wurde aus dem Natur- und Wanderhotel auch noch ein Holzhotel, dessen Zubau ohne giftige Bauchemie, ohne Leim und nur mit „mechanischen“ Verbindungen in Form von Holzdübeln auskommt.

Rezeption, Lobby und Shop
Vollholzplatten – zusammengehalten mit Buchendübeln, ganz ohne Leim.

Und damit steht es den großen Holz-Hotelkollegen wie dem Forsthofalm Holzhotel in Leogang um nichts nach. Thoma baut Häuser, Hotels, Nutzbauten und sogar Archive (Filmarchiv Laxenburg) in aller Welt aus mondphasengeschnittenem Vollholz – und das ganz ohne umweltbelastende Verbindungsmittel.

Womit das Holz zusammengehalten wird, in dem ich gerade wohne? Durch obgenannte Buchendübel, die in Milch getränkt wurden. Klingt komisch? Ist aber so und so ist es nachhaltiger und nicht Umwelt belastend, da kein Leim oder sonstige Säuren oder bauchemische Bindemittel hinzugefügt werden. Holz hat soviele natürliche wohngesunde Eigenschaften, dass es eigentlich alles kann: Es ist eine natürliche Klimaanlage, dämmt, ist strahlensicher und lärmedämmend, bietet bessere Brandsicherheit als Stahlbeton (!), ist erdbebensicherer als andere Konstruktionen (siehe Japan) und – Holz atmet. (Quelle: https://www.thoma.at/wissen/)

Ich gebe es zu: Ich bin nur wegen dem modernen Vollholzzubau des Molzbachhof nach Kirchberg am Wechsel gekommen. Die nahen Loipen sind mir zu eisig (Update: Neuschnee am 5.2.!) und die Kultur aus der Gegend hol ich mir eher in Reichenau an der Rax oder im Kurhaus Semmering – wie letztes Jahr. Aber es hat sich gelohnt: Entschleunigung pur, aus vielerlei Gründen.

Schon der lichtdurchflutete, hohe und stylishe Eingangsbereich ist meines Erachtens wohlgelungen: Viel Raum, viel Holz, moderne Belechtung – dem Holz den Raum geben, den es verdient. Verschwenderisch viel Raum hier in der Lobby.

Als hätte man es geahnt (oder recherchiert?), dass ich eine Leseratte bin, habe ich eine der neuen Vollholzsuiten bekommen, die über eine leicht erhöhte Lesecouch in der Fensternische verfügen. Allein dafür gebührt dem Innenarchitekten ja ein Spezialpreis, möchte ich meinen. Denn auch wenn ein Hotel das Wandergütesiegel hat, über einen Paradiesgarten verfügt, ein Schwimmbiotop und einen neuen, warmen (!) Infinity Pool sowie eine beeindruckend köstliche Kulinarik im neuen Restaurant bietet – man will doch auch ein gemütliches Zimmer für den persönlichen Rückzug im Urlaub haben. Nun bin ich naturgemäß ja selten auf Urlaub, aber so eine gepflegte Lesecouch mit Ablagefläche, Steckdose (ganz wichtig), Leselicht (noch wichtiger), Verdunkelungsvorhängen UND Ausblick – das ist einfach unschlagbar und kann nicht genug gelobt werden – schließlich arbeitet es sich hier auch vorzüglich.

Waldtraum Suite mit Lesecouch.

Die neue WALDTRAUM Suite kommt mit 42m² großzügig daher, wobei ich mir noch eine permanente Minibar (kann man sich allerdings mobil auf Wunsch ins Zimmer rollen lassen) und zumindest einen Wasserkocher gewünscht hätte – und hat eine überdimensionale Fensterfront – im Bad – im Wohnraum und in der „Liegewiese“ im Fenster. Das Polstermenü ist ja in Naturhotels fast schon Usus (lobenswert) und wer in einem Vollholzzimmer nächtigt, schläft nachweislich wesentlich herzberuhigter. Mein Balkon verfügt über Liegestuhl und Liegebett Richtung Nachmittagssonne, das Dominikanerkloster und den Pool nebst dem Paradiesgartl und seinem Schwimmbiotop – und wer sich ordentlich aus dem Fenster hängt, erhascht auch einen Blick auf den Kalvarienberg und das entzückende gotische Wolfgangskirchlein.

                            

Der neue Holzbach Zubau bietet neben dem neuen Alleinstellungsmerkmal „warmer Outdoor Pool“ mit 15 m Länge (beheizt mit Holzfernwärme) zwei neue, helle und warme Ruheräume mit Holzkojen, Schwingliegen und Wasserbetten (juchuu!). Der offene Kamin wird ebenfalls beheizt.

Der Molzbachhof: Holz und Kulinarik, Pool und Paradiesgart´l, Wandern und Entschleunigen

Für den eigentlichen Wellness Bereich mit Sauna und Dampfbädern, Massage und Heubad wandert man in das Haupthaus. Dort ist die finnische Sauna neu – der restliche Spabereich stammt aus den 1980er Jahren, als die jetzigen „Senior“ Inhaber den Molzbachhof von den Eltern übernahmen. Die hatten den Molzbachhof 1969 als Pension mit 6 Zimmern und Gasthaus quasi aus der Taufe gehoben. Nun ist bereits die nächste Generation am Werkeln, Erhalten und Erneuern. Nina und Peter mit Jungspund Jonas können stolz sein auf die Verwirklichung ihrer Ideen: Das Holzbach nach dem Holz100 Konzept, der neue Pool und die hervorragende Küche mit nachweislich regionalen Produkten – genial bereitet und im wirklich wunderschönen neuen Restaurantbereich für die Hotelgäste im Rahmen der Genusspension (inkl. Lunch) serviert.

Mehr als gelungen. Alleine wegen diesem neuen Restaurantbereich muss ich nochmal zu zweit herkommen.

Das regionale Wirtshaus gibts natürlich immer noch – mit Wintergarten. Jeden Tag wird ein Spezialbrot gebacken und mit der Küchenlinie „Cook the Gart´l“ kommt auf den Tisch, was das hauseigene Paradiesgartl hergibt. Übrigens, der Garten: Zur schönen Jahreszeit bietet der Garten auch einen Naturbadeteich mit Energieinsel und eine Schwebelounge zum Abhängen mit Gartenzeitschriften – „Abhängen“ im wahrsten Sinn des Wortes.

Ich war im Jänner zu Gast und habe mich – bis auf einen kleinen winterlichen Ausflug zum Loipeneinstieg auf der Steyersberger Schwaig – eher indoor vergnügt, wobei ich immer wieder auf meine private Liegewiese am Fenster zu sprechen kommen muss: Von dort über den Pool ins Restaurant pendeln und wieder retour, kurz mal zum Aufheizen in die neue finnische Sauna mit Ausblick ins Grüne – so ein modernes Holzhotel ist genau richtig für einen entschleunigenden Ausflug zwischendurch auf den Wechsel. Nicht zu vergessen die regionalen Köstlichkeiten, die sich auch schon morgens beim liebevollen Frühstücksbuffet mit viel Hausgemachtem finden. Der Restaurantbereich ist durch das verarbeitete Holz wirklich ein Hingucker geworden – und gediegen gemütlich ist er obendrein.

Kreativer Eingangsbereich zum Restaurant: Alt und Neu.

Das Wechselgebiet liegt von Wien aus gesehen ja quasi um die Ecke, St. Corona hat zumindest noch den Kinderlift und in die Wechsel-Panoramaloipe kann man winters auf der Steyersberger Schwaig einsteigen. Die kleine feine Schischaukel Mönichkirchen-Mariensee gibt es Gott sei Dank noch und der Hochwechsel wirbt mit Themenwegen für den Sommer und einigen Attraktionen für Kids.

Und der Molzbachhof bietet natürlich auch Programm an: Die noch funktionstüchtige Mühle  am Molzbach (eh klar) nebenan hat es mir besonders angetan, sommers wird hier sogar noch Brot gebacken.

Die Laufstrecke (ja, getestet) startet direkt vor dem Molzbachhof und führt wunderschön durch Wald,  ebenso die hervorragend ausgeschilderten Wander- und Pilgerwege.  Beim Haupthaus findet sich auch ein kleiner Fitnessraum im Stadl – Flussrauschen und Ausblick ins Grüne inklusive. Etwas besonderes war auch der urige Solestollen.

Der Feldkasten – mit Fitnessgeräten inside, dahinter der Fluss.

Hundebesitzer wohnen im Haupthaus, das sich vieler Stammgäste erfreut und über neu renovierte EINZELZIMMER (Zirbe!) mit großen Boxspringbetten verfügt. Optimal für Alleinreisende mit Hund und Seminarteilnehmer. 

Und bloß nicht zu vergessen: Wittgenstein-Gegend ist die Region ja auch noch, weil der Philosoph dort einige Jahre als Lehrer gewirkt hat.

Aber wegen des Philosophen muss ich nicht unbedingt nochmal hin – eher wegem dem Entschleunigen mit Vollholzfeeling, dem Restaurant und der Fensterlesenische. Und weil ich das Paradiesgartl und den Schwimmteich auch im Sommer erleben will.

 

Meine soft facts zum Molzbachhof - Überblick
  • Die Waldtraum Suite ist unbedingt empfehlenswert: Gemütlich und gediengen zugleich mit der Liegewiese am Fenster. Hunde im neuen Holzbach-Zubau leider nicht erlaubt.
  • Der Zubau ist vollkommen nach dem nachhaltigen Holz100 Konzept gebaut: Mondphasengeschlägertes Holz, kein Leim, heimisches Nadelholz, keine chemischen Bindungsmittel.
  • Das Wahlmenü abends wird in wunderschönem Holz-Setting serviert, köstliche Küche von Peter und Peter Pichler. Viel Regionales!
  • Der neue Infinity Pool und die Ruheräume  im Neubau ganz modern, der Wellness Bereich im Haupthaus eher retro.
  • Hunde dürfen nur im Haupthaus wohnen, nicht im neuen Vollholzzubau
  • Umgebung: Langlaufen (Einstieg nur mit Auto erreichbar), Wandern (Wandergütesiegel!), Laufen, Skifahren Mönichkirchen-Mariensee, Spazierengehen und Walken – Gegend zum „Entschleunigen“ geeignet, Erlebniswege im Sommer.
  • In der warmen Jahreszeit sind Paradiesgartl und das Schwimmbiotop sicher ein Asset.
  • Optimale Location für Incentives und Meetings
  • Überdachte Garage
  • TIPP: Was HOLZ alles per se schon kann, was andere Baumaterialien erst künstlich zugeführt werden muss, liest sich sehr eindrucksvoll auf https://www.thoma.at/holz100/

MEINE InstaStories LIVE aus dem Molzbachhof


HINWEIS: Ich wurde von der Region Wiener Alpen in Niederösterreich freundlicherweise eingeladen, den Molzbachhof für 2 Nächte zu besuchen.

GLEICH WEITERLESEN in den WIENER ALPEN:

 


 

Wie hat Dir dieser WIEDERUNTERWEGS Reisebericht gefallen?