Ein Hauch von Hase weht um die Hundenase

Ich hatte mich damals schon sehr gefreut – auf den ersten ruhigen und zweisamen Spaziergang mit meinem neuen Hausgenossen Coffee... Ich war davon überzeugt, dass es ihm bei uns gefallen würde: Tür auf und Felder mit SPAZIERwegen, soweit das Hundeauge reicht. Ein Hundeparadies fürwahr.

Alles könnte so einfach sein.

Ein Hundeparadies, ja – Aber auch ein Jagdparadies. Spazieren? Ein Unwort.

Bereits etwa 100 Meter vom Haus entfernt war mir schnell klar, dass es alles andere als ein entspannender Hund-Mensch Spaziergang werden würde. Kurz: Coffees Spürsinn ist äußerst ausgeprägt. Pendel-Bewegung nennen Fachleute das, was Coffee tut, wenn ich geradeaus spazieren und dabei meine Gedanken sammeln oder im Ernstfall mich sogar entspannen möchte.

Klarerweise möchte ich nicht mitpendeln, was den ersten Spaziergang über die Feldwege zu dem machte, was er heute noch ist: Ein einziger Kampf. Gezerre.

Bei der Anschaffung unseres Hundes hatten wir die Rechnung ohne die bei uns ansässigen Rehrudel und Hasenpatchworkfamilien, ja auch ohne die über die Maßen große Fasan-Population gemacht. Sie alle, alle,  gehen Coffee beim „Spazierengehen“ gehörig gegen den Strich.

Die hoch-alerte Kopfhinteransicht, vor der mir graut.

Wie sehr, das spürte ich dann nach weiteren 100 Metern als ich das erste Mal zu Fall gekommen war. Ein Feldhase hatte sich erlaubt, unseren Weg zu kreuzen und Coffee hatte das als Spurt-Startkommando verstanden und dabei auch gleich mich umgerissen. Kein Leichtes und dennoch… Weitere 200 Meter später dann lag ich wieder danieder, diesmal aber ohne Leine und ohne Hund. Beide (!) hatten sich losgerissen und flogen nun über die Felder dem vermeintlichen Hasenfeind nach. Meine Bandscheibenvorfälle waren aber bei mir geblieben. Die anhänglichen.

Schreien? Sinnlos. Kreischen? Wer hört schon zu? Handbewegungen? Wer schaut mich schon an?

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Jetzt zählt jede Sekunde.

 

Ein Hase und ein Hund hetzen also am Horizont in beträchtlicher Geschwindigkeit bergan. Hund weg. Leine weg. Das mit der Leine erwähne ich deshalb, weil viel später da einige ähnliche Vorkommnisse waren, allerdings war da die Leine und das Geschirr noch da, der Hund aber nicht. Dazu möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mehr sagen.

Mit den Segnungen eines Handys versehen, das heutzutage ja nur da ist, um am Land die ausreißenden Hunde rayonsweise besser überblicken zu können, gab ich Andreas telefonisch Anweisungen, dass er Coffee auf der anderen Seite des Hügels suchen sollte. Ich marschierte kleinlaut verbotener Weise über das riesige Feld, keine Spur von dem Ausreißer.

20 Minuten später kamen mir vom Fuße des Hügels ein schon von weiten als unwirsch einzustufender Mann und ein kleines braunschwarzes verdrecktes, eher devot einherhumpelndes Etwas mit langem buschigen Schwanz entgegen. Coffee war irgendwann die Puste ausgegangen, als sich zu den zu jagenden Hasen auch noch Rehe gesellt hatten. Und nur deswegen hatte er sich einfangen lassen (seine Meinung). Denn ginge es nach ihm, wäre er weiterhin auf der Jagd. Es gibt ja soviel zu tun.IMG_7465

Nach solchen unliebsamen Vorkommnissen ist natürlich ein spontanes Hundebad mit extra viel Schaum angesagt. Danach schwankt die Stimmung bei Coffee zwischen Vorwurf, Beleidigung und stiller Unterwerfung. Sämtliche Stadien gut erkennbar anhand dieser Momentaufnahmen 🙂

Status Quo nach 1 Jahre Hundeleben bei uns im Weinviertel: Detto. Nur der Vollständigkeit halber. Aber alle Hundekenner sagen: „Es wird besser“.

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