Das Chi, mein Yang und ich. Mein erstes Mal TCM.

Irgendwie passt plötzlich alles zusammen. Nicht, dass ich das mit dem Nieren-Yang und dem Milz-Ying schon wirklich verstehen würde, aber die bisherigen Diagnosen meiner schulmedizinisch definierten körperlichen Unzulänglichkeiten wurden nun um eine TCM Diagnose bereichert. Kurz: Ich weiß jetzt, warum ich heißes Thermalwasser liebe, immerzu eine kalte Nasenspitze mit mir rumtrage und mich auch sommers mit Wärmeflaschen abzugeben pflege.

Mein erstes Mal TCM

Der Steirerhof in Bad Waltersdorf ist bekannt für seine vorzügliche TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) Abteilung, nebst den Kurbehandlungen in der neuen Vitalabteilung und dem für mich vortrefflich geeigneten Thermalwasser. Was lag da näher, als es endlich einmal zu tun: Meinen Körper, meine OP-Narben und meine schmerzenden Gelenke in die Hände einer TCM Ärztin zu legen? Vielleicht erfährt man ja Neuigkeiten über seinen Körper 🙂

    

Dr. Jing Zhu studierte in Tianjin und arbeitet gemeinsam mit ihrem Mann seit nunmehr 10 Jahren im Steirerhof als TCM Ärztin. Da ich zufällig Tianjin kenne und auch erst im März in Peking war, ergeben sich auch gleich die ersten Anknüpfungspunkte. Denn Gespräche sind erstmal die Grundlage für jede TCM Behandlung, erklärt mir Jing.

Tasten, Riechen, Fragen, Schauen: TCM

10 Fragen (Die sogenannten „klassischen 10 Fragen der TCM Diagnostik“) lang stehe ich Rede und Antwort über Gelenke, Bandscheiben, OPs, Arthritis, Rheuma, Migräne etc. (bin ja schulmedizin-erfahren), bis sie es endlich tut: Sie legt ihre Finger auf meine (für mich vermeintlichen) Puls-Stellen und fühlt ihn mit jeweils drei Fingern – soweit ich das beobachten kann. Aber das ist nur ein Teil der Untersuchung: Sie tastet, riecht, fragt und schaut.

Schon bevor wir die Behandlung begonnen haben, habe sie mich genau beobachtet – nämlich, als ich ihr zur Begrüßung entgegen gekommen war, so Jing. So sei ihr gleich aufgefallen, dass ich einen „kalten Körper“ habe, denn trotz der Wärme im Vitalzentrum hätte ich den Bademantel fest zugeschnürt gehabt.

Das hat Jing nicht unrecht: Ich friere oft auch bei Sonnenschein oder in überheizten Thermalräumen, das ist keine Besonderheit 🙂  Sie habe meine Gesichtsfarbe und meine Statur gleich eingeordnet und mich auch beim Hinlegen genau beobachtet. Und war die TCM – Geruchsprobe betrifft: Oft könne sie – bei älteren Menschen – bestimmte Krankheitsbilder am Geruch der Patienten einordnen. Ich staune.

Mein erstes Mal TCM mit Puls, Chi und Yang

Aber noch sind wir beim Puls und ich erfahre erstmals, dass mein YingYang Haushalt vollkommen unausgeglichen ist; vielmehr sei das Yang stark unterrepräsentiert. Auch mein Chi sei zu schwach, quasi blockiert. Nach diesen ersten Diagnosen fallen mir gleich soviele Fragen ein, dass unser Behandlungszeitraum fast zu knapp wird. Von den fünf Elementen sind bei mir Wasser und Erde nur schwach vertreten, dies äußere sich dahingehend, dass das Milz- und das Nieren Yang zu schwach seien. Spätestens nach dieser Information musste ich zu meinen Notizblock greifen, um Jings Ausführungen weiter folgen zu können.

Nach der Pulsdiagnose inspizierte sie noch meine Zunge, wo sich laut ihren Erklärungen dasselbe Bild bot: Milz- und Nieren-Yang Mangel. Nun habe aber die TCM Milz und die TCM Niere nicht unbedingt etwas mit unserer schulmedizinischen Auffassung von Milz und Niere zu tun. So wie ein Mangel am Element Wasser in der TCM Sprache nicht bedeute, dass man mehr trinken solle. Langsam aber sicher wurde es mir zu hoch.

Was ich aber verstehe und was mir mehr als einleuchtet: Mein Körper ist nach TCM Auffassung zu kalt – demnach würden mir warme, bzw. wärmende Dinge & Getränke gut tun.

Ein schwaches Milz-Yang kann keine Nährstoffe zu den Extremitäten transportieren, die sich deshalb kalt anfühlen. Fazit: Ich habe immer kalte Finger und Hände und eine eisige Nasenspitze. Ein schwaches Nieren-Yang kann das Wasser nicht umwandeln, es sammeln sich Flüssigkeiten an. Fazit: Ich habe Ödeme an manchen Gelenken.

Passt ja alles zusammen, aber was tu ich mit dieser Info jetzt? „Kein Joghurt, kein Eis – schade!“ kommentierte Jing schmunzelnd. Joghurt sei ein kühlendes Nahrungsmittel, sie würde mir hingegen viel Chili als wärmend empfehlen. Naja, das passt ja vorzüglich zu meinem Geschmack. Keine Gartenarbeit auf feuchter Erde, niemals (auch nicht im Sommer) barfuß gehen und immer den Körper warmhalten. Schwarzer chinesischer Tee sei zu empfehlen, im Gegensatz zu Grünem Tee, der kühlend wirke. Auch vorort im Steirerhof mischt Jing Kräutertees, zugeschnitten auf ihre Diagnose und den Patienten.

      

Als Therapie Einheit verpasste mir Jing  eine Akupunktur in die Lendenwirbelsäule  (rund um meine OP-Narbe, sehr gewöhnungsbedürftig) und arbeitete gleichzeitig auch noch mit glühenden „Zigarren“ aus Beifußkräutern. Durch die Wärme der rauchenden „Moxa“ auf bestimmte Therapiepunkte an meinen Energie-Meridianen sowie die Akupunkturnadeln sollte mein Chi wieder aktiviert werden. Bei uns kommt der Beifuß allerdings in den Fleischtopf.

       

Und weil ich einen steifen Nacken hatte, legte Jing auch dort gleich wissende Hand an. Wahrscheinlich hat sie mir noch viel mehr erklärt, als ich verstanden oder mitschreiben konnte – aber beeindruckt hat sie mich mit der TCM Diagnose in der kurzen Zeit allemal.

In dieser Nacht war mir so warm, dass ich bei offenem Fenster und ohne Decke durchschlief.

Die Wärmeflasche vom Steirerhof blieb kalt im Kasten und anderntags wachte ich so erfrischt auf wie schon lange nicht. Das Chi! Vielleicht ist es diese Nacht so aktiv durch meinen Körper geflossen wie schon lange nicht. Und wegen dem Yang-Mangel: Da werde ich mich jetzt weiter informieren – von wegen kühlende Lebensmittel.

Danke an Jing Zhu vom Steirerhof, die versucht hat, mir in der kurzen Zeit die TCM Therapie näher zu bringen und zu erklären. Alle Ausführungen in diesem Text sind meine persönlichen Eindrücke und Erinnerungen an die Behandlung und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Nachdem wir unsere chinesischen und einheimischen „Sternzeichen“ verglichen hatten – zweimal Waage, einmal Schlange, einmal Schwein – wusste sie sofort, dass uns 6 Jahre Altersunterschied trennen. Daraufhin schätzte ich sie gleich um 12 Jahre jünger als sie eigentlich ist. 🙂 Bei Jing dürfte demnach alles im Fluss und im Gleichgewicht sein…


 

 

 

 

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