Mein Leipzig Städtetrip: Alle Tipps zu Bach, Passagen und Auerbachs Keller

Alles, was Du für Deinen ersten Citytrip nach Leipzig wissen willst

by Angelika Mandler-Saul

Leipzig? Als Städtetrip so wie Paris, Wien oder London? JA! Leipzig hat wirklich alles, was ein Citykurztrip braucht: Einladende Lokale und Cafés, geniale Museen (viele gratis), eine wunderschöne Innenstadt mit Fußgängerzone und Passagen, Kultur und eine eigene Notenspur – lest selbst.

Leipzig als Städtetrip? Meine Erfahrung: JA!

Völkerschlachtdenkmal, friedliche Revolution, Buchmesse – das wissen wir ÖsterreicherInnen vielleicht, wenn man uns über Leipzig befragt. Fakt ist: Ich bin mit drei Tagen Leipzig Städtetrip gar nicht ausgekommen: Es gibt einfach zu viel zu besichtigen.

⚡ KURZ GESAGT

Lohnt sich ein Leipzig Städtetrip?

Ja. Leipzig hat Passagen und Höfe, Musikgeschichte von Bach bis Wagner, viele Museen mit Gratiseintritt und die Spuren der Friedlichen Revolution. Plane 3 bis 4 Nächte ein: Mit drei Tagen bin ich nicht ausgekommen.

🚋Unterwegs: Tram und Bus, mit der Leipzig Card mit freier Fahrt
🎼Musik: Notenspur, Thomaskirche, Bach-Museum
🏛️Messestadt: Mädler-Passage, Specks Hof und die Mustermessehäuser
🕯️Friedliche Revolution: Nikolaikirche, Zeitgeschichtliches Forum, App „Leipzig ’89”
🚆Anreise: per Zug, aus Österreich etwas zeitraubend

Leipzig hat den größten Kopfbahnhof Europas (der ist wirklich gigantisch), eine riesige Kulturszene mit Oper, Schauspiel und Kabaretts, unzählige Museen mit Gratiseintritt, eine wirklich pittoreske Innenstadt mit reichlich Lokalen zum Hängenbleiben und noch dazu: Leipzig hat viel erlebt.

Leipzig war weltweit berühmte Stadt des Pelz- und Tuchhandels, hatte einen immensen Boom als Messestadt (Mustermesse ist hier das Stichwort), liegt direkt am Kreuzungspunkt der großen Handelsrouten der Via Imperii und der Via Augusta, war Hauptort vieler Verlage und – ist Stadt der Musik. Ja, vergleichbar mit Wien. Und eines der ältesten Kaffeehäuser der Welt, auch das liegt in Leipzig – dem Vernehmen nach. Sogar die Zeppeline wurden einst in Leipzig gewartet.

Also ja, ein Städtetrip nach Leipzig ist ein lohnendes Unterfangen, wiewohl die Anreise per Zug aus Österreich etwas zeitraubend sein kann. Aber Leipzig liegt von uns aus halt auch nicht um die Ecke.

🚆 ANREISE

Von Österreich nach Leipzig: Zug oder Bus

Die Anreise ist etwas zeitraubend. So bin ich gefahren.

🚆Zug über München: Mit Umstieg in München und ohne Verspätung rechnest Du mit etwa 7 bis 9 Stunden, je nach Anschluss/Tagsezeit.
🔁Mein Tipp: Verpasst Du einen Anschluss, ist die Zugbindung aufgehoben. Ich bin am Ende über Erfurt und Halle (Saale) nach Leipzig gekommen.
🚌FlixBus: Direkt von Wien nach Leipzig Hauptbahnhof, ohne Umsteigen knappe 8 Stunden, oder mit Umsteigen in Dresden oder Prag.

Fahrzeiten variieren stark.

Wielange für Leipzig einplanen? Museen und Sehenswürdigkeiten per Tram und Bus

Ich sags gleich: Ich war in Leipzig hochmotiviert täglich über 10 Stunden unterwegs, aber hab nicht mal einen Bruchteil aller interessanten Sights und Museen geschafft. Also 3-4 Nächte solltest du schon mindestens einplanen für Leipzig. Mit der Leipzig Card erhält man nicht nur Preisreduktion bei vielen Sonderausstellungen der Museen, sondern auch freie Fahrt mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln der Innenstadt. Und das Tram Fahren in Leipzig macht echt Spaß, weil an gefühlt jeder Ecke eine Station ist. Immer wieder komme ich am Hauptbahnhof, am Augustusplatz vorbei – von dort geht es überall schnell hin.

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Schon am Augustusplatz findest Du die Oper, das Gewandhaus (in Boston steht eine Kopie des alten Vorgänger-Gewandhauses!) die Universitätskirche, den Aussichtsturm mit Blick zu den Seen und viele Tram-Stationen “auf einem Haufen”. Etwa die monumental geratene Universitätskirche.

Warum ist die moderne Uni-Kirche so, äh asymetrisch in Sachen Kirchenuhr? Die originale Kirche wurde in der DDR zerstört, Fotos fingen damals den Moment des Zusammensturzes ein – der Architekt orientierte sich an diesen Abbruchfotos. Die neue, moderne Kirche hat heute rudimentäre Besuchszeiten, soll innen aber sehr speziell schön sein. Während meines Leipzig-Besuchs war sie nicht offen. Die Uni ist nach jener in Heidelberg die am längsten durchgehend in Betrieb befindliche (seit 1409). Mit meinem Leipzig-Guide ging ich danach noch durch die Aulahalle der neuen Uni – Richtung Büsten von Goethe, Leibniz und Konsorten.

Meine Tram-Bus-Ausflüge führten mich u.a. zum Völkerschlachtdenkmal (irre beeindruckende Anlage, aber auch etwas verstörend), zur Leipziger Albertina (um einen Blick in den Lesesaal mit der Glaskuppel zu werfen) oder zum Buchmuseum bei der Deutschen Nationalbibliothek. Das Neue Rathaus ist sehr speziell: Wenn ihr beim Shoppingbummel zufällig vorbeikommt, nicht verstören lassen :-)

Zu allen bedeutenden MusikerInnen der Stadt gibt es Museen, dazu Kunst, Design, das Museum der bildenden Künste gleich neben der Stadt-Information, das Stadthistorische Museum mit mehreren Niederlassungen, das Kaffee- und Apothekenmuseum und das unbedingt lohnenswerte Zeitgeschichtliche Forum!

Max Klingers Beethoven: Einst ein Skandal, sauteuer und 1902 in der Wiener Secession ausgestellt.

Das Grassi Museum wäre noch auf meiner Liste gestanden, aber allein der Zugang war so weitläufig, dass ich es nur bis ins Shop geschafft habe. Soweit mein kleiner, persönlicher Auszug :-)

🏛️
Meine Museumstipps für Leipzig
Alle Museen aus diesem Artikel auf einen Blick
🎨
Grassi Museum, Johannisplatz
Drei Museen in einem Art-déco-Komplex: Angewandte Kunst, Völkerkunde und Musikinstrumente. Bei mir noch auf der Liste, ich habe es nur bis in den Shop geschafft.
🖼️
Museum der bildenden Künste, gleich neben der Stadt-Information
Die weltweit größte Klinger-Sammlung, darunter sein Beethoven, den die Wiener Secession 1902 zeigte.
🎼
Bach-Museum im Bosehaus, Thomaskirchhof
Originale Bach-Handschriften, Hörstationen und ein kostenloser Audioguide, gleich gegenüber der Thomaskirche.
🎹
Schumann-Haus, Inselstraße 18
Die erste gemeinsame Wohnung von Clara und Robert Schumann, hier entstand die Frühlingssinfonie. Auf „Claras Hand” bringst Du Töne zum Klingen.
🏠
Mendelssohn-Haus, Goldschmidtstraße 12
Die einzige erhaltene Wohnstätte von Felix Mendelssohn Bartholdy, hier starb er 1847. Hab ich leider nicht geschafft.
🎭
Wagner-Ausstellung in der Alten Nikolaischule
Klein, aber informativ: „Der junge Richard Wagner” erzählt von seinen Leipziger Jahren bis 1834.
🕯️
Zeitgeschichtliches Forum, Grimmaische Straße 6
Im ehemaligen Messepalast erzählt „Unsere Geschichte. Diktatur und Demokratie nach 1945″ von der SED-Diktatur bis nach der Wende. Mein Tipp: die Zettel mit den Erinnerungen der BesucherInnen.
🏛️
Stadtgeschichtliches Museum, Altes Rathaus am Markt
Leipzigs Geschichte mit historischem Stadtmodell und dem Stadtbrief von 1165. Das Museum hat mehrere Häuser, etwa das Haus Böttchergäßchen und das Schillerhaus.
☕
Kaffeemuseum im Coffe Baum, Kleine Fleischergasse 4
16 historische Räume rund um die Kaffeekultur, mit den Stammplätzen berühmter Gäste wie Robert Schumann.
📚
Deutsches Buch- und Schriftmuseum, Deutscher Platz 1
Buchgeschichte in der Deutschen Nationalbibliothek, in einer Kombination aus modernem Neubau und klassischem Altbau.
📖
Reclam-Museum, Kreuzstraße 12
Mehr als 10.000 gelbe Hefte und der Nachbau eines Reclam-Bücherautomaten. Klein, aber fein.

Leipzig und seine Messen, Passagen und Höfe

Die Mädler-Passage ist die bekannteste Passage (oder Durchhaus, wie wir sagen würden) der Stadt: Sie war einst Mustermessehaus (siehe unten) für Meissner-Porzellan, das Glockenspiel zeugt noch heute davon. Bauen ließ sie Koffer- und Taschenfabrikant Mädler nach der Mailänder Vorlage und “tout le monde” reiste einst in Mädler, auch Marlene Dietrich. Den Mädlers verdanken wir auch, dass der unterirdische Auerbach Keller immer noch besteht.

Die Sache mit den Rauchwaren und dem Pelzhandel

Wer auf dem Brühl steht und sich auskennt (oder einen wissenden Leipziger Gästeführer an der Seite hat wie ich), sieht den Eisbären am Dach, die Chinchillas über dem Portal, die Tiere am Jugendstil-Tor, Kleidungsstücke (wie den Muff) auf den Fassaden der prächtigen einstigen Handelshäuser. Wie das? Hier war einst der Hotspot der Pelz-Produzenten, angeliefert wurde tonnenweise Ware aus Russland: Pelze und Rauchwaren (also alles rund ums Fell). Zeitweise lief ein Drittel der Weltproduktion dieser Waren über Leipzig, in den 1920ern saßen hier fast 800 Rauchwarenhandlungen. Viele der Händler waren jüdisch, ab 1933 wurden die jüdischen Pelzfirmen am Brühl liquidiert oder arisiert, die Bomben von 1943 zerstörten fast die ganze Straße.

Stichwort Mustermesserstadt, so ein schönes Wort

mustermesse tipps für leipzig

Das Wort “Mustermessestadt” ist ein wunderschönes und seit ich in Leipzig war, finde ich großes Gefallen an ihm. Allein, wer versteht schon heute noch die Bedeutung? Jahrelang hatte man auf die Messen alle seine Produkte gekarrt – was da dreimal im Jahr organisatorisch in der Stadt los war, kann man sich lebhaft vorstellen. Darum die Idee: Ab 1895 zeigte man nur noch Muster, auf deren Grundlage die Händler bestellten, geliefert wurde später. Heute ganz normal, damals musste man erstmal drauf kommen.

Seit 1917 steht das berühmte Doppel-M für „Mustermesse“ (großer AHA-Moment bei mir). Und wo zeigt man so viele Muster? In Mustermessehäusern, ganz klar: Das Städtische Kaufhaus war Leipzigs erstes Mustermessehaus, Specks Hof mit der tollen Passage hatte 1909 rund 5.000 und später rund 10.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und war das größte Messehaus seiner Zeit. Die Höfe und Passagen dazwischen gehörten den Fuhrwerken, die während der Messen die Waren schnell abladen mussten, ohne zu wenden.

Genial. Mustermessestadt. Mustermessehäuser. Mir gefällts.

Kaffee, Bier und Sauerbraten in Leipzig

Ich hatte wenig Zeit zum Essen in Leipzig, aber zwei historische Locations zum Einkehren muss ich euch empfehlen. Zum einen das Kaffeehaus Coffe Baum: Seit 1711 wird hier nachweislich Kaffee ausgeschenkt, das Haus wurde schon 1556 erstmals erwähnt, und es gilt als eines der ältesten Kaffeehäuser Europas. Und das mir als quasi Wienerin… Das kleine gratis Kaffeemuseum im Kaffeehaus unbedingt besuchen – da sieht man auch, wer aller einst zu den Gästen hier zählte. Ich sage nur Franz Lehár, der aus Bad Ischl.

Und dann die Sache mit Goethe und Auerbachs Keller. Letzterer ist so bekannt wie ein bunter Hund – sogar bei unseren asiatischen ReisefreundInnen – ähnlich beliebt wie Bach, möchte ich meinen. Das Gasthaus hat mehrere Ebenen, dazu Keller, ein tolles Service, eine gute Karte, wohlgefüllte Weinfässer und gutes Bier. Dazu die Geschichte rund um den jungen Goethe, als er noch kein Geheimrat war und hier einkehrte. Teile seiner Erlebnisse gerieten dann auch in den FAUST, nebst Mephisto – versteht sich.

Gastronomisch habe ich mich vor allem rund um die Thomaskirche Richtung Holocaust Denkmal sehr wohlgefühlt, ob Kaffeehaus Kandler mit der Leipziger Lerche (ein kleines süßes Teilchen, übersichtlich groß aber mit Vor-Geschichte, nix für TierfreundInnen), Pizza, Viet-Lokalen, Bier oder Richtung Café Luise. Und welches Bier trinkt man in Leipzig? Das Ur-Köstritzer (Sponsor von Red Bull Leipzig) und wer es säuerlicher mag: “die Gose”. Letzteres wird im Winter mit Kümmellikör genossen – zum Aufwärmen, wie man hört. Empfehlen kann ich auch einen der Wochenmärkte in Leipzig (da findet man reichlich Stärkungen aller Art) und die Markttage im Herbst.

☕🍷 MEIN TIPP

Kaffee wie Schumann, Wein wie Goethe

Zwei Leipziger Legenden, beide in Marktnähe: ein Kaffeehaus mit Museum und ein Weinkeller mit Faust-Geschichte.

Zum Arabischen Coffe Baum

☕Seit 1711 wird hier nachweislich Kaffee ausgeschenkt, eines der ältesten Kaffeehäuser Europas
🎼Robert Schumann hatte hier mit seinem Freundeskreis seinen Stammtisch
🏛️Im Haus: ein Kaffeemuseum, Kleine Fleischergasse 4

Zum Kaffeemuseum

Auerbachs Keller

🍷Seit 1525 wird hier an Studenten Wein ausgeschenkt, Goethe war Stammgast
📖Schauplatz einer Szene in „Faust I“, die Fassritt-Bilder von 1625 hängen im Keller
📍Mädler-Passage, Grimmaische Straße 2 bis 4, am Eingang stehen Faust und Mephisto in Bronze

Zu Auerbachs Keller

Und dann kannst du in Leipzig noch auf den Drallewatsch gehen. Ich hab´s erst auch nicht verstanden – Kunststück: Das bedeutet bei uns quasi “auf Lepschi gehen” oder halt durch die Lokale ziehen. In Leipzig tut man das in den kleinen Gasserln rund um das Barfußgässchen.

Leipzig ist Musik

Leipzig ist Bach und Bach ist Leipzig. Und bei Bach ist sich alle Welt einig – bei Wagner scheiden sich die Geister, bei Mozart nur ein paar – aber bei Johann Sebastian Bachs Genie sind sie alle d´accord, die ExpertInnen. Weltweit. Ich war gespannt auf Thomaskirche und Bachmuseum. Tipp: Der Notenspur folgen!

Die Leipziger Notenspur wird zum Notenbogen

Die Leipziger Notenspur als Stadtrundgang zieht sich wie ein silberner Faden (oder ein geschwungener, silberner Bogen) durch die City und führt zu den wichtigsten musikalischen Stationen: Bach, Wagner, Schumann Mendelssohn-Bartholdy. Alle waren sie da. Die Leipziger Notenspur wird gerade erweitert in die westliche Vorstadt und damit zum Leipziger Notenbogen – führt da u.a. zum ehemaligen Wohnhaus von Gustav Mahler, zu den Synagogen, an den Stadthafen, wo sich einst eine Pianoforte-Produktion befand! Und warum war eigentlich Mahler (auch )hier? Er war drei Jahre lang leider nur der zweite Kapellmeister der Leipziger Oper (in Iglau befindet sich ein tolles Mahler-Museum!). Ach ja, und Mozart war auch in Leipzig – wen wundert´s.

Auf meiner Stadtführung stehen wir beim ehemaligen Gewandhaus mitten in der Altstadt: Der Name kommt natürlich von den Tuchproduzenten darin, später entstanden hier Konzertsäle – Mozart war 1789 hier, konzertierte und stattete selbstverständlich auch der Thomaskirche einen Besuch ab, angeblich mit Orgelspiel.

Leipzig und Bach

Mein Wissensstand über Johann Sebastian Bach ist zugegebener Maßen wirklich rudimentär. Mein basishaftes Halbwissen beziehe ich aus dem ARD-Film „Bach – Ein Weihnachtswunder“ mit Devid Striesow als Bach und Verena Altenberger als seine zweite Frau. Daraus hab ich mir allerdings einiges gemerkt, vor allem das schöne Wort “Thomaskantor”. Seit ich in Leipzig war, weiß ich nun mehr darüber – über die Thomaskirche, die Thomaner und die Familie Bose von gegenüber, mit denen die Bachs befreundet waren. Bach hat zweimal geheiratet und hatte insgesamt 20 Kinder, von denen die Hälfte im Kindesalter verstarb. Vier Söhne traten in seine musikalischen Fußstapfen.

Ein Thomaskantor leitet den Thomanerchor, und Bach war in Leipzig Kantor der Thomasschule und zugleich quasi Musikdirektor der Stadt, 27 Jahre lang, von 1723 bis 1750. Heute singen die Thomaner die begehrten Motetten, mein Leipzig-Guide legt mir den Besuch derselben ans Herz – für den nächsten Besuch. Bach selbst liegt (höchstwahrscheinlich) vor dem Altar begraben unter einer Bronzeplatte.

Gleich gegenüber liegt im Bosehaus das Bach-Museum: Interaktiv und wirklich sehr interessant gemacht, mit Audioguide! Vor der Kirche steht das Bach-Denkmal von Carl Seffner aus dem Jahr 1908. Seffner war damals genau so berühmt wie Max Klinger, der in Wien mit seinem Beethoven-Denkmal 1902 (zu sehen im Foyer des Museums der Bildenden Künste) in der Secession brillierte. Das alte Bach-Denkmal von 1843 geht auf Felix Mendelssohn Bartholdy zurück und auch der begegnet uns in Leipzig an quasi jeder Ecke.

Leipzig und Mendelssohn-Bartholdy

Hörstation der Notenspur

Der Statue von Mendelssohn-Bartholdy sehe ich gleich am ersten Abend beim Kennenlern-Spaziergang durch das abendliche Leipzig, es steht hinter der Thomaskirche. Und natürlich hat er einiges mit Bach zu tun, wie ich jetzt auch weiß. Er kam 1835 als Gewandhauskapellmeister nach Leipzig, gründet das erste Konservatorium Deutschlands, im Hofgebäude des damaligen Gewandhauses, also im Haus der Tuchhändler.

Bach verdankt ihm viel: Mit der Matthäus-Passion löst er 1829 in Berlin die Bach-Renaissance aus, und das Bach-Denkmal (siehe oben) geht auf ihn zurück. Das Mendelssohn-Haus in der Goldschmidtstraße 12 ist seine einzig erhaltene Wohnstätte, hier stirbt er 1847 – kann man besichtigen, hab ich leider nicht geschafft. Das Denkmal, das ihm Leipzig 1892 setzt, reißen die Nazis wegen seiner jüdischen Wurzeln ab. Die Statue, die ich sehe, ist eine Kopie.

Leipzig und Wagner

Nicht nur das Bach´schen Originalwohnhaus wurde im 19. Jahrhundert in der damaligen Modernisierungswut abgerissen, sondern auch mit dem großen Richard Wagner ging Leipzig nicht pfleglich um: Ja, Wagner ist Leipziger. Geboren wurde er am Brühl – jener Straße, wo sich die Pelz- und Rauchwarenindustrie ansiedelte. Aber sein Geburtshaus wurde schon 1886 abgerissen. Später stand hier das Kaufhaus Brühl, das in der DDR die „Blechbüchse“ hieß, und heute stehen dort die Höfe am Brühl zum Shoppen. Wagner besucht in Leipzig die Thomasschule und die Universität, aber ein echtes Wagner-Haus gibt es in Leipzig nicht, nur das Wagner-Denkmal auf einem Sockel von Max Klinger. Who else. Ein winziges Wagner-Museum ist mir untergekommen.

Leipzig und Clara und Robert Schumann

Und dann sind da Clara und Robert Schumann. Clara Wieck ist Leipzigerin, Robert kommt 1828 zum Jusstudium, nimmt aber lieber Klavierunterricht und wohnt im Haus der Familie Wieck. Man ahnt es: Er verliebt sich in die Tochter. Wieck sagt Nein, am Ende entscheidet ein Gericht für das Paar, und man heiratet. Die ersten vier Ehejahre leben sie im heutigen Schumann-Haus, heute ein Museum. Hier entsteht die Frühlingssinfonie, die Mendelssohn 1841 im Gewandhaus uraufführt, 1844 ziehen sie nach Dresden. Auch diese Stadt kann ich für einen kulturellen City-Trip allerwärmstens empfehlen.

Buchstadt Leipzig und der Baedeker

Gute Funde im Buchgeschäft

“Warum bist du in Leipzig, die Leipziger Buchmesse ist doch vorbei”, so meine Freundin. Mittlerweilen wissen wir, dass Leipzig deutlich mehr als Bücher zu bieten hat, aber: Ja, die Sache mit den Verlagen und den Büchern, den Bibliotheken und Archiven ist in Leipzig – neben den besagten Mustermessen – schon auch sehr einzigartig und wichtig.

Der Mathematiker Leibniz hatte angeblich ein Antiquariat – hinter der Nikolaikirche erinnert eine Tafel an ihn. Ihm verdanken wir heute u.a. den Binärcode.

Die Baedekers und andere berühmte Verlage

Beim Buchmuseum

Die Familie Baedeker, deren Villa wir bei der Bootsfahrt in Leipzig sehen: 1872 zieht der Verlag mit Fritz Baedeker aus Koblenz nach Leipzig, damals der besagte Mittelpunkt des deutschen Verlags- und Buchhandels. Der Verlag wird berühmt: Knappe und informative Reiseanleitungen, die Bücher boomen und man kennt “den Baedeker”: Roter Einband, Sternchen für wichtige Infos, dazu echte Stadtpläne.

In der Nacht des großen Bombenangriffs auf Leipzig, am 4. Dezember 1943 (dieselbe Nacht, in der der Brühl niederbrennt) zerstört ein Angriff das Verlagshaus, das gesamte Archiv mit allen Karten geht verloren. 1948 erscheint der erste Nachkriegs-Baedeker, ein kleiner Führer mit dem Titel „Leipzig“, dieses Wissen hat man schließlich vorort verfügbar. Der Titel ist der letzte, der in Leipzig verlegt wird, denn die Stadt liegt nun in der sowjetischen Besatzungszone. Der Verlag beginnt in Hamburg neu, unter einem Urenkel des Gründers.

🎬 VIDEOS

Leipzig im Video: Mein Städtetrip zum Mitreisen

Lohnt sich ein Städtetrip nach Leipzig? Ja, aber plane genug Zeit ein. In 7 kurzen Videos nehme ich Dich mit.

Alle 7 Videos auf YouTube

Warum ist die Leipziger Buchmesse immer noch so bekannt?

Was ist mit Frankfurts Buchmesse? Die Antwort liegt auch hier wieder in der Geschichte. Rund 200 Jahre lang war Leipzig die führende Buchmesse Deutschlands. Nach 1945 holten die Amerikaner zwar unbelastete Verleger zurück, ab 1949 lief Frankfurt Leipzig schnell den Rang ab. Die erste unabhängige Leipziger Buchmesse im April 1991 zählte nur knapp 25.000 Besucher. Dann kam “Leipzig liest“, das die ganze Stadt zur Lese-Bühne machte. Leipzig ist seither Deutschlands größte Publikumsmesse in Sachen Bücher im März, in Frankfurt ist im Oktober die Fachmesse dazu.

Ich hab mich mit der Traum aufgemacht zum Buchmuseum, das Teil der Deutschen Nationalbibliothek ist – eine beeindruckende Kombination eines hochmodernen Neubaus und klassischem Altbau. Außerdem war ich bei der Leipziger Albertina: In Wien ist es eine Kunstsammlung, in Leipzig Teil der Universität it einem genialen, modernen und lichtdurchfluteten Lesesaal im Westflügel – ich war dort: Man kann dort lesen, arbeiten, schauen – hab ich gemacht. Noch ein Tipp: Das kleine Reclam Museum.

Die Friedliche Revolution in Leipzig

Audio Guide INfo stelen Leipzig
Audio Guide Info Stelen

Wer die Augen offen hält und sich dafür interessiert (oder so einen tollen Gästeführer von Leipzig Erleben hat wie ich), der findet an vielen Ecken in der Leipziger Innenstadt Erinnerungen an die friedliche Revolution im Oktober 1989. In Leipzig begann es mit den Montagsgebeten.

Am 9. Oktober gehen 70.000 Menschen über den Innenstadtring, trotz Warnungen, sie rufen „Keine Gewalt!“ und „Wir sind das Volk!“, einen Monat später fällt die Mauer und die DDR ist Geschichte. Die Open-Air-Ausstellung „Orte der Friedlichen Revolution“ besteht aus 20 Stelen, an jeder hängt ein QR-Code zur App „Leipzig ’89“, einem Audioguide.

📱 APP-TIPP

Die Friedliche Revolution zum Mithören

Die App „Leipzig ’89“ der Runden Ecke führt Dich zu 20 Stelen im Leipziger Stadtraum, an denen die Ereignisse von 1989 erzählt werden.

📍GPS-Navigation von Stele zu Stele
🔳QR-Code an jeder Stele: Station direkt aufrufen oder App laden
📷Originalfotos, Dokumente und zeitgenössisches Filmmaterial
🌍Sieben Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Spanisch, Arabisch

App Store Google Play

Offizielle Infos der Runden Ecke

Alternative: Hörspaziergang „Jetzt oder nie! Leipzig ’89“

Ein Audiowalk von Kulturkosmos Leipzig e. V. durch die Innenstadt: 9 Stationen, 2,69 Kilometer, gut 108 Minuten Audio, Start am Schwanenteich. Zu hören über die guidemate-App oder im Browser.

Zum Hörspaziergang

Vor der Nikolaikirche steht die Nikolaisäule, eine nachempfundene Säule aus dem Inneren der Kirche mit Palmwedeln, als Sinnbild für den Schritt vom Gebet auf die Straße.

Nikolaisäule Leipzig
Nikolaisäule Leipzig

Mein Tipp für das Zeitgeschichtliche Forum (ein ehemaliger Messepalast, wir landen immer wieder bei den Höfen): Die Dauerausstellung „Unsere Geschichte. Diktatur und Demokratie nach 1945“ erzählt von der SED-Diktatur bis zur Zeit nach der Wende, der Eintritt ist frei. Bei meinem Besuch gabs auch eine Sonderausstellung zu “Wohnen in der Platte”.

Sehr berührend waren vor allem die persönlichen Kommentare von BesucherInnen auf kleinen Zetteln mit deren Erinnerungen an ihr Leben in der DDR.

Meine 13 ganz persönlichen Tipps für Leipzig

Während meiner drei Nächte in Leipzig war ich auch noch auf einer Bootstour durch das Leipziger Klein-Venedig und bei Asisis “Antarktis” im Panometer, einem ehemaligen Gasdepot. Beides kann ich uneingeschränkt für Euren Besuch in Leipzig weiterempfehlen.

Was ich mir noch sagen haben lasse: Gleich neben dem Panometer befinden sich die MDR Filmstudios, sprich Media City Leipzig, wo “In aller Freundschaft” (TV Serie über eine Klinik, hier: Sachsenklinik) gedreht wird. Man kann Filmstudio Touren buchen oder sich das original Filmgelände der Säulenhalle (öffentlich zugänglich) ansehen. Alle Drehorte zu “In aller Freundschaft” kann man online ganz leicht finden – wen es interessiert. Ich persönlich habe die Serie aber noch nie gesehen.

Beim Grassi Museum

Und hier sind sie, meine versprochenen, ganz persönlichen Highlights eines Städtetrips nach Leipzig.

🚤 Eine Bootsfahrt durch Klein-Venedig machen: Start ist der Stadthafen
🧭 Unbedingt eine Tour mit Gästeführer buchen – Themen gibts genug!
☕ Ins entzückende, kleine Kaffeemuseum des Coffe Baum schauen
🏛️ Sich von Passage zu Passage und von Hof zu Hof treiben lassen
🥐 Die Leipziger Lerche kosten
🍷 In Auerbachs Keller Faust und Mephisto memorieren
🚋 Einfach in die Tram springen und rausschauen
🕯️ Das Zeitgeschichtliche Forum besuchen
🪧 Der Spur der Friedlichen Revolution durch Leipzig folgen
🌅 Die Aussicht vom Tower Richtung Seen genießen
⛪ Die Universitätskirche besichtigen, wenn sie mal offen ist
🎭 Theater- oder Opernbesuch einplanen
🌐 Das Panometer besuchen

Ob mit oder ohne Panometer, Völkerschlachtdenkmal oder Sachsenklinik: Euch gehts sicher wie mir. Die Zeit vergeht in Leipzig wie im Fluge und man muss einfach wiederkommen.

Weiterreisen mit meinen Tipps für Deutschland

Richard Wagner wurde in Leipzig geboren, zu Hause ist er aber in Bayreuth. Dort habe ich bei meinem Erstbesuch das Markgräfliche Opernhaus gesehen, das seit 2012 UNESCO Welterbe ist, und eine Führung durch das Festspielhaus am Grünen Hügel bekommen – Bayreuth: Wagner, Wahnfried, Wilhelmine und das UNESCO Welterbe.

Bayreuth

Gemeinsam mit Regensburg, Bamberg, Würzburg und Bad Kissingen hier meine Route durch fünf Welterbe-Städte, die alle gut mit dem Zug ab Wien erreichbar sind: Alle Details findest Du in Auf UNESCO-Entdeckertour in Deutschland. Bad Kissingen steht für die europäische Bäderkultur (über die ich ja schon so oft geschrieben habe) in Bad Kissingen: Bäderkultur und Kurphänomen. Wenn Du Fachwerk und Kopfsteinpflaster magst, passt Rothenburg ob der Tauber mit 30 echten Highlights dazu.

Johann Sebastian Bach war 27 Jahre lang Thomaskantor in Leipzig. Seine Wege davor führen nach Thüringen: In Eisenach, nahe der Wartburg, wurde er geboren, in Weimar war er Hoforganist (all das habe ich auch im Bach-Museum in Leipzig mit Audio-Guide entdeckt). In Weimar wiederum lebte auch Goethe. In meinem Thüringen Schnellkurs führe ich Dich durch Weimar, Gotha und Erfurt, auf die Wartburg und ins Bachhaus nach Eisenach: Ein Thüringen Schnellkurs für uns Österreicher:innen.

Wer sich in Leipzig mit der Friedlichen Revolution beschäftigt, landet schnell bei der Frage, wie Deutschland mit seiner Geschichte umgeht. Und da müssen wir auch über Nürnberg sprechen: Dort habe ich zwei Orte besucht, den Saal 600 der Nürnberger Prozesse und das Doku-Zentrum auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Darüber schreibe ich in Auch das ist Nürnberg. Die schöne Seite der Stadt mit Altstadt, Kaiserburg, Kasematten und Museen, vom Wiener Hauptbahnhof etwas über vier Stunden entfernt, zeigt mein Nürnberg City Trip: Mit und ohne Christkind.

Wunderschönes Nürnberg

Bleibst Du in Sachsen, lohnt sich Dresden. Ich habe die Stadt damals mit den Augen einer Wienerin erkundet, von der Semperoper über die Frauenkirche bis zum Panometer, und auch Erich Kästner hat dort seine Spuren hinterlassen. Mehr dazu in Dresden hat was. Aber was genau? Auch die Elbphilharmonie war für mich ein Erlebnis, nachzulesen in Elbphilharmonie Hamburg: Alles außer gewöhnlich.


HINWEIS: Dieser Artikel entstand in entgeltlicher Kooperation mit der Deutschen Zentrale für Tourismus in Wien und Leipzig Erleben.

1 comment

Romy 7. Oktober 2026 - 16:12

Schön, dass Du in meiner Geburtsstadt unterwegs warst. Übrigens ist das Clara-und-Robert-Schumann-Museum auch ganz wundervoll und einen Besuch wert. Vielleicht etwas für Deinen nächsten Besuch?

Reply
Angelika Mandler-Saul 7. Oktober 2026 - 16:15

jaaaaaa – steht in der museums tipp box, aber diesmal is es sich leider ned ausgangen….

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