Wiedersehen mit Miami – Ich bin alt geworden.

Als ich mit 17 zum ersten Mal in Miami war, war alles so unpackbar spannend. Vor allem die extremfeuchte Hitze dort hatte ich lange Jahre in höchst angenehmer Erinnerung. Die US-Shops, Dennys und Wendys, das Sea-Aquarium, den People Mover – alles war aufregend und neu. Schade, ich bin alt geworden.

Florida, Miami und Orlando, die Keys und Sanibel Island – das war meine erste große Reise, die ich flugtechnisch mit 17 über NYC allein unternahm – Florida war damals einfach nur unglaublich toll: Frische Shrimps zum Abwinken, der erste weiße Sandstrand meines Lebens nach Triest und Koper, die riesigen inszenierten Amusement Parks mit Magic Kingdom, Back 2 the Future, dem Weißen Hai und E.T. wo man mit Gerüchen, Projektionen und 3D arbeitete, das Epcot Center mit seinen technischen Zukunftsvisionen, Cape Canaveral, die riesigen Limousinen on the road, das entspannte Autofahren, die eisigkalten Klimaanlagen, Wasser-Erlebnisparks die mir den Mund offen stehen ließen, das immerfreundliche Service Personal und und und. Es gab kein Internet, ich reiste mit Papiertickets, schickte Faxe und telefonierte ein paar Minuten nachhause – von Telefonzellen. Das war 1989. Und ich war nie müde.

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Miami Beach 1989 oder 1991 – wer weiß das schon so genau und eigentlich ist es auch egal.
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Zum Vergleich: Miami Beach 2016

Mittlerweilen hat ein neues Jahrtausend Einzug gehalten, ich habe 67 Länder der Welt bereist und bin 45 Jahre alt. Ich freue mich immer noch über jede neue Erfahrung, jedes schöne Reiseerlebnis und neue Welten – wie bei Raumschiff Enterprise, falls das noch wer kennt. Aber die Destinationen werden austauschbarer und ich anspruchsvoller. Woran ich mich aber niemals gewöhnen werde, ist Unrecht, Ungerechtigkeit, Dummheit, Ausgrenzung, Hetze, Demagogie und Unbildung. 2016 in Miami und wir befinden uns in der Zielgerade: Trump gegen Clinton, in unserer letzten Nacht in Miami im November 2016 wird es klarer und klarer: Wir haben nichts dazugelernt. Nicht in den USA, nicht in Europa, nicht im ehemaligen Ostblock. Ein Schritt vor und 10 zurück. Orange is the new black.

2016: Frauenrechte? Politische Bildung? Menschenrechte? Empathie? Ehrlichkeit? Menschlicher Umgang miteinander? Anti-Rassismus? Tierschutz? Kinderrechte? Offenheit gegen Fremde und Fremdes? Nix. Hat sich nicht so ergeben seit 1945. Oder nur kurz. Frühmorgens in unserem Hotelzimmer ist es dann Gewissheit: TRUMP kommt.

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Anti-Aggressions-Einschaltung im TV

Zurück zum Reisen, zur Austauschbarkeit und meiner Miami Erfahrung anno 2016: Alle Marken gibts überall zu kaufen, alles kann man online jederzeit von daheim erleben und jede zweite Destination in der Welt arbeitet mit inszenierten „Erlebniswelten“. Die US-Amusement Parks bespielen Filme, die ich nicht mehr kenne, die Online-Realität hat das einst so apokalyptische Epcot Center längst eingeholt (Lesetipp: „The Circle“) und wenn ich an die großen US-Tierparks denke, denke ich jetzt immer auch an Tierquälerei. Wenn ich heute in den USA unterwegs bin, kann ich Freunde und Familie Tag und Nacht über WhatsApp erreichen und kaum bin ich angekommen, fliege ich schon wieder nach Hause. Statt einer großen Limousine bekommen wir (ungewollt) einen riesigen, hässlichen an einen Leichenwagen gemahnenden Chevy Suburbian (groß und lang wie ein Campervan) und die Hitze ist auch nicht mehr, was sie einmal war: Klar – mittlerweilen habe ich am Mekong, im australischen Red Center, im Regenwald und in den Tropen geschwitzt – Miami ist angenehm warm, nicht mehr (quantitativ). Nicht mehr (zeitlich). Der Peoplemover, der mich vor 27 Jahren so beeindruckt hat, als wäre er einem Sci-Fi Film entsprungen, entlockt mir heute nur ein müdes Lächeln, als ich darunter durchradle. Und die Bayside Waterfront kommt mir einfach nur noch kommerziell und kitschig vor.

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Was waren die Amusement Parks damals spannend – hier im Epcot Center. Heute haben wir sämtliche Parallelwelten 24 h lang online vor der Nase.

Doch ja, begeistert hat mich auch etwas: Die Sauberkeit und die vielen schönen großzügigen RADWEGE (Ich kann halt nicht aus meiner Haut). Und dass Miami SoBE (South Beach) und auch Key West schon lange für Offenheit und Toleranz stehen und sich als beliebte Locations für Schwule und Lesben etabliert haben.  In Miami Beach geht´s ums Schönsein und Shoppen und auch darum, billig und schnell viel zu trinken (auch damit sehr austauschbar mit vielen einst schönen Orten dieser Welt, ich sage nur Kathmandu) – sicher noch um viel anderes, aber dies hat sich mir in der kurzen Zeit (Gott sei Dank) nicht erschlossen. Oder wie die US-Dame in der Line hinter mir in der Bar so launig und ungefragt verlautbarte: „This is the happy hour. Alcohol is cheap then. This is why we are in Miami Beach“. Ja genau, die Happy Hour beginnt in Miami Beach oft schon um 2 p.m.  florida-miami-nov2016_web2-124-von-392florida-miami-nov2016_web2-359-von-392

Freundlich im Service sind sie immer noch, auch wenn sie dazwischen gleichzeitig auf Smartphone, ipad und mobile Registrierkasse linsen und selten bei der Bestellung richtig zuhören. Und der Tip ist nicht mehr so immens wichtig, weil fast überall schon die Service Pauschale aufgeschlagen wird.

Dennoch, wir hatten – in Arliner Sprech – „3 Mal Schlafen“ in Miami und ich wäre nicht gerne #wiederunterwegs, wenn nicht auch die Tage genutzt werden wollten. Für den Anfang gibts hier anschließend die Videos. Den [7Ways2Travel] Artikel zum Gusto Holen für einen Trip nach Miami Beach, FL und damit einen kleinen „Sommerurlaub im Winter“ gibts dann am 19. November.

Mit dem Rad durch Miami:

Tagesausflug: Miami – Key West und retour


 

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