Große Erwartungen – Von Wien nach Split im Bus

Was habe ich mir nicht alles erwartet – auf meiner ersten Nacht-Busfahrt von Wien nach Split mit Eurolines. Etwa WLAN, Reisesessel mit Tischchen und Getränkehalterung, Beinfreiheit, Leselicht, Erfrischungen, Steckdose, freundliche Fahrer… Träumen kann ich ja. Die Realität sah anders aus – jetzt weiß ich es:

Der Wieselbus von Wolkersdorf nach St.Pölten oder die Busfahrten in Kambodscha sind allesamt angenehmer, freundlicher und komfortabler als diese Nachtfahrt. Schade.

Es ist ja nicht so, dass ich mir erwartet hätte,

  • von Eurolines daheim abgeholt und zum Busbahnhof  gebracht zu werden…
  • wie das in Laos der Fall ist: Man bucht Stunden vorher, wird pünktlichst vom Mini Bus abgeholt und sogar zum KORREKTEN Bus am KORREKTEN Bahnhof gebracht – alles im Preis inbegriffen)
  • oder wie in Kambodscha sogar ein Lunchpaket mit zu bekommen
  • oder wie in Australien beim Greyhound Getränke und Frühstücksjoghurt serviert zu bekommen
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Freundlicher Busfahrer in weißen Stutzen
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Echtes Checkin beim Busfahren in Australien

 

Nein, das hatte ich eh nicht erwartet. Aber eine Begrüßung des Busfahrers bei Fahrtantritt (und wäre es nur ein harsches „Hallo“, „Hi“ oder gar „Doberdan“ gewesen) hätte ich mir erwartet. Spätestens nämlich dann, als er mir einen zuätzlichen Obolus für das Verstauen meiner kleinen Reisetasche abknöpfte. Im Bus selbst hätte nämlich oberhalb gerade mal eine Zeitschrift in die Ablage gepasst, aber kein Gepäckstück – wie auch immer geartet. Dies allerdings wäre gratis gewesen.

Aber nochmal ganz von vorne: Der im Internet so wunderschön klingende Busbahnhof nennt sich „Vienna International Busterminal“- zuviel der Ehre für einen stockdunklen, chaotischen Platz unter der Autobahn – keine Parkplätze, nichtmal eine „Kiss and Ride“ Spur. Jetzt gebe ich gerne zu, dass ich zwar in aller Welt schon mit Bussen gereist bin – von Österreich aus die letzten Jahrzehnte aber entweder mit Flieger, Auto, Radl oder Zug unterwegs war und dieser Wiener Busbahnhof hier eine keine Premiere war. Aber dass es dort aussieht wie auf einem zappendusteren Markt für Organhandel, mitten in Wien, das hätte ich denn doch nicht erwartet.

VIE-SPU mit dem Bus

Meine Fotosammlungen belegen, dass ich seit Existenz meiner Digicam bereits 14 Mal in Kroatien war, 12 Mal davon in Brac. Hingekommen bin ich jeweils entweder mit der AUA, der Croatian, als Mitfahrerin im Auto oder auch  im Kofferraum (ja!).

Aus Zeit- und Organisationsgründen testete ich diesmal die Eurolines-Busse von VIE nach Split – Abfahrt 18 Uhr Erdberg, Ankunft 6:30 anderntags in Split.

Mein Online Ticket (etwas über 40 Euro übrigens) berechtigt nicht, sofort in den korrekten Bus einzusteigen. Vielmehr müssen sich sämtliche potentiellen Busgäste (und an diesem Abend stehen etwa 20 Busse bereit für irgendwohin) gleichzeitig bei einer Schlange in der Baracke für das sogenannte „CheckIn“ anstellen. Die Schlange ist sehr sehr sehr lang, und die EINZIGE Angestellte sehr sehr sehr gestresst, mir mein Ticket aus der Hand zu reißen und mir eine falsche Bordkarte zu geben. Dafür muss ich ca 30 Minuten in der Schlange mit Gepäck warten. Mit vielen anderen Busgästen, die offensichtlich auch zum ersten Mal fahren und auch viele Fragen haben.

Meine vorherigen Anfragen über Facebook an Eurolines blieben übrigens unbeantwortet. Statt 1 Bus fahren heute abend 3 gleichzeitig nach SPLIT ab, sie steuern zur selben Zeit dieselben Raststationen an. Das ist deswegen ein bissl ungschickt, weil dann mind. 150 Personen gleichzeitig auf die 4-6 Toiletten gehen wollen. Vorteil: Die Fahrer können miteinander lustig essen gehen.

Die Fahrt selbst

Mit einem jeweils unverständlich gebellten „20 minuten“ wurden wir jeweils dazu eingeladen, den Bus bei der Raststation zu verlassen (zu diesem Behufe wird auch kurz die Klima-Anlage eingestellt, Gott weiß warum). Ich sitze nicht, wie blöderweise von mir erwartet, in einem schönen Blaguss Bus, sondern leider in einem alten spanischen, von Croatia Tours abgekauften  und betriebenen Bus.

Die Beinfreiheit die ich meine

Die ersten Beschwerden an den Busfahrer wurden bereits etwa 6 Minuten nach Start herangetragen: Tropfende Klimaanlage (wurde dann aber eh ganz abgestellt), kein WC am Langstreckenbus, defekte Leselampen, etc. Leider spricht unser Busführer auch kein Deutsch, wie praktisch. Nur eindeutige Handbewegungen wurden zur Kommunikation mit den Busgästen gebraucht.

Was mir ganz selten passiert: Ich war ob der fehlenden Qualität dieses unter Eurolines gebuchten Bustransfers sogar zu geschockt zum Fotografieren. Und zu grantig.

3 geplante Pausen an ekligen Raststationen, 1 lange an der slowenisch-kroatischen Grenze mitten in der Nacht (Wenn wortlos die Türen geöffnet werden, und das nach einer sinnlosen Wartezeit von 60 Minuten, dann bedeutet das für uns BusGÄSTE: Aussteigen und einzeln über die Grenze zur Kontrolle! Nur zur Info.)

Warum alle anderen Reisebusse (Polen, Slowenen, Kroaten, Deutsche, Österreichische Blaguss Busse, seufz) zügig durch die Grenzkontrolle fuhren (wenigstens konnte ich kurzfristig von den ANDEREN Bussen WLAN abzapfen, LUXUS!) und wir eine Stunde warteten, bis wir einzeln aussteigen mussten, würde ich sehr gerne noch erfahren. Es war verdammt eng, mein Leselicht war defekt und meine Trinkflasche für 12 Stunden fahrt musste ich mir ins Genick klemmen, weil sonst nirgends Platz war – kein Tischchen, keine Halterung.

Busbahnhof Split ist Luxus gegen WIEN
Flucht auf die Fähre nach Supetar

Ab Sibenik fuhren wir bei Mondschein fast nur noch am Meer entlang, der Bus hielt pünktlich in Split am Busbahnhof und damit gleich bei den Fähren – soweit die beiden positiven Erlebnisse auf dieser Fahrt. Und die nachfolgenden 6 Tage mit Familie in Sumartin auf Brac.

Gerne würde ich mich davon überzeugen, dass man über Eurolines auch gepflegte, moderne Busse mit Service buchen kann. Wo muss man dazu hinfahren? Freue mich über Tipps und Antworten – bis dahin verzichte ich auf Busfahrten ex VIE.


 

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