Das Hotel Bristol Wien: Historisch & Hundefreundlich

Ein Citytrip in Hundebegleitung ist ja per se schon nicht ganz einfach. Aber dann noch im legendären Ringstraßenhotel Bristol Wien wohnen? Wo man Geschichte förmlich riechen kann? Mit Hund? Yes, we can. bristol_wien_2016_web-4-von-216

„Wien, Wien – nur Du allein….“ Wenn die allwissenden Concierges, die charmanten Chefs de Rang und die längst abgebrühten Restaurantleiter  vornehmer, empathischer und sozialkompetenter sind als ihre Gäste aus aller Welt – befindet man sich in einem Wiener Hotel. Wenn man sich als Hundebesitzer nicht deplatziert und abweisend behandelt fühlt, ist man in einem guten Wiener Hotel.  bristol_wien_2016_web-63-von-216

Wenn man beim Frühstück im Frack bedient wird und der Sekt früher als der Verlängerte am Tisch steht, dann befindet man sich in einem gehobenen Wiener Etablissement – ob im Jahre 1900 oder 2016. Wenn man in Räumlichkeiten unter originalen Lustern und Stuckdecken sitzt, wo zur Jahrhundertwende am offenen Kamin unter Intellektuellen, der kulturellen Elite Wiens und Reisenden aus aller Welt die Post abgegangen ist – dann befindet man sich in einem Wiener Ringstraßenhotel mit Geschichtebristol_wien_2016_web-52-von-216Und wenn ich über eine der wenigen Art Déco Relikte in Wien – der beeindruckenden Stiege mit den Jugendstilfenstern – hinauf ins Mezzanin steige, dann bin ich im Hotel Bristol in Wien, im Hotel zur Wiener Staatsoper, einem Luxushotel.bristol_wien_2016_web-135-von-216

Nun bin ich eine Schnitzler Verehrerin. Nicht vom Pseudo-Politiker aus den „Vorstadtweibern“, sondern von dem mit dem Skandal-„Reigen“, den „süßen Mädln“ und den Parallel-Pantscherln. Arthur Schnitzler also.
Ich kenn mich aus im Wien der (vorletzten) Jahrhundertwende. Historisch belesen und auch im fiktiven Sinne, denn Arthur Schnitzler ließ seine ProtagonistInnen gerne in Wien zugange sein: Am Alsergrund, in der Josefstadt, in der Wiener Staatsoper und auch im Wiener Bristol, das 1892 eröffnet wurde. Nicht gleich am selben Platz, wo es heute steht, aber es war „das Bristol“. Dort traf man sich zum Politisieren, zum KaffeeTrinken, zum Plauschen sowie vor und nach der Oper zum Speisen.  bristol_wien_2016_web-74-von-216bristol_wien_2016_web-142-von-216

Hotel Bristol Wien: Das Hotel an der Wiener Staatsoper

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Ja, die Oper. Die war im damaligen Wien so etwas wie das Kino meiner Jugend oder heute das YouTube meiner Nichten: Ein kultureller Ort der Begegnung, zum Flirten aus den Logen heraus, zum in der Pause schnell mal Verschwinden, zum Nachstellen verheirateter Frauen, als Heiratsmarkt. Und das Bristol gleich daneben – am Hotspot des Ringstraßencorsos – spielte dabei natürlich eine nicht unbeträchtliche Rolle.

Schnitzler fuhr laut seinen Tagebüchern zum Diskutieren seiner Premieren oder auf einen Kaffee ins Bristol, ließ auch seine Protagonisten oft dort speisen oder gab es als Ziel seiner Fiakerfahrten an. Richtig wichtig war Schnitzler als Literat seiner Zeit aber nicht  – da gab es Thomas Mann und Franz Werfel, die damals deutlich mehr gehyped wurden.

Und vom Bristol Originalbau aus 1892 ist eigentlich auch nichts mehr übrig, denn nach dem 1. Weltkrieg wurde es quasi neu erbaut.bristol_wien_2016_web-34-von-216

bristol_wien_2016_web-79-von-216bristol_wien_2016_web-32-von-216Dennoch – was für ein Gefühl: Ich betrete das Hotel Bristol anno 2016 (achja, in vierbeiniger Begleitung) und finde ich mich in einem schwarz weißen Art Déco Ensemble mit Stuck und Marmor, mit einer ovalen (!) Lobby wieder – da muss ich unweigerlich an Arthur denken. Aus MODUL Zeiten (geprüfte Tourismuskauffrau) war mir natürlich auch das Korso (das ehemalige Gerer-Spitzenrestaurant im Bristol) ein Begriff. Daraus wurde das jetzige Restaurant, die Bristol Lounge. Der Name ist modern, doch was nach der akribischen Restaurierung des Korso hervortrat, ist beeindruckend historisch und hat schon viel gesehen: Eine freigelegte Stuckdecke, ein offener Kamin, Holzvertäfelungen.bristol_wien_2016_web-77-von-216bristol_wien_2016_web-95-von-216bristol_wien_2016_web-115-von-216

Auch beim Betreten unseres Zimmers tauchen wir wenig später in eine andere Welt ein: Stuck, Plüsch, schwere Stoffe, ein Kamin, ein Marmor Foyer, antike Schreibtische aus Holz, Spiegelschränke und ein riesiges marmornes Badezimmer mit dem unvermeidlichen Bidet. Verbindungstüren ins Nebenzimmer als Erinnerung an eine Zeit, in der Unverheiratete nicht gemeinsam in einem Zimmer absteigen durften. So denke ich mir das eben. Und wie das damals wohl mit den mitreisenden Schoßhündchen war? Das ließ sich so schnell nicht eruieren.

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Hotel Bristol Wien: PETS WELCOME.

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Ich kann nur sagen: Mein mitreisender Vierbeiner war im Restaurant gerne geduldet (wenn er auch sehr gelangweilt und abgebrüht tat), er schlabberte Wasser aus weißen Porzellanschalen und gleich nach seiner Ankunft wurde ihm ein fluffiges Hundebeck mit Bristol-Logo und eine handgefertigte Hundedecke aufgewartet.

Aber auch der Ornament-Teppich fand seine volle Zustimmung für die optimale Entspannung. Ein wenig gefährlich schienen uns anfangs die zahlreichen weihnachtlichen Christbäume in der Lobby, aber auch dies meisterten wir nonchalant.

bristol_wien_2016_web-90-von-216Wir öffnen den französischen Balkon und sehen hinab in die Mahlergasse (Gustav Mahler war ab 1897 Hofoperndirektor), die jetzt in der Vorweihnachtszeit mit einem Weihnachtsmarkt bestückt ist. Während Coffee hochinteressiert ist an den harten Würsten, die vor seiner Nase nur eine Etage tiefer am Markt feilgeboten werden und den Lauten von der Straße her lauscht – wende ich den Blick und bin ganz nah dran: An der Wiener Staatsoper. Für mich ein ganz besonderes Gefühl, so nah am kulturellen Zentrum Wiens zu wohnen – an einem Ort, der früher quasi der Hotspot Wiens war. Oder nahe dran, an der bekannten Sirk-Ecke, die ja auch in Stefan Zweigs „Die letzten Tage der Menschheit“ eine tragende Rolle als Location spielt. Irgendwie hängt hier in Wien ja doch alles mit unserer Kulturgeschichte zusammen – und hier im Bristol ist mir das ganz besonders allgegenwärtig.

Hotel Bristol Wien: Alles hier ist Geschichte.

Während Coffee in der Nacht gemütlich in seinem luxuriösen Hundebett fläzt, lausche ich den Geräuschen der Nacht in der Mahlerstraße. Es ist Samstag und gegen 3 Uhr morgens ist immer noch keine Ruhe. Nachtschwärmer grölen, Flaschen zerbrechen, Hunde kläffen und eine Dame (?) versucht sich sogar noch an ein paar geplagten Koloratur-Sequenzen. Ich bin sicher, dass sie nicht an der Staatsoper engagiert ist. Weil ich nicht schlafen kann, stelle ich mir vor, welche Geräusche hier wohl vor hundert Jahren zu hören waren. 1916 war die Hofoperndirektor Mahler Witwe Alma bereits mit Gropius verheiratet und mit Kokoschka liiert, es herrschte Krieg (der bekannte „Steckrübenwinter“) und in Wien frönte man – nach der ersten Kriegseuphorie – wieder dem Salonleben. Man hätte vielleicht invalide Soldaten auf der Straße gehört, Gekicher aus den Nachtlokalen, bettelnde Kriegsversehrte, Frauen mit Kindern, die auf der Straße schlafen mussten und Pferdegetrappel.

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Anderntags sind meine persönlich historischen Rückblenden aber wie ausgelöscht, wir genießen unser elitäres Frühstück mit viel persönlichem Service in der wunderschönen Bristol-Lounge und haben einen Sonntag in Wien vor uns. Was auch an dieser Stelle gesagt werden muss: Die Innenstadthunde beneiden wir ganz und gar nicht. Die Hundezone am Heldenplatz ist ein winziges Schlammloch, Burg- und Volksgarten sind tabu, ebenso Teile des Stadtparks. Dank des allwissenden Concierges bekommen wir den Resselpark als Tipp (Weihnachtsmarkt) und auch die ausgedehnte Ring-Runde mit den vielen Platanen (die sind schließlich da, um Schadstoffe zu schlucken) finden bei Coffee Anklang.

Zwei der drei verbliebenen Ringstraßenkaffeehäuser stehen natürlich auch noch auf dem Programm: Das Prückel versöhnt uns mit einem hervorragenden Mittagsmenü und einer hundefreundlichen Sitzecke. Das Café Bräunerhof begeistert mit Fotos von UFA Filmstars, der Damenkapelle und Remineszenzen an Thomas Bernhard. Und im Schwarzenberg bin ich ohnehin immer vor der Akademietheatervorstellung.bristol_wien_2016_web-46-von-216

So komme ich – rundum voll mit neuen Wien Eindrücken und unerwarteten Einblicken in die Wiener Geschichte – abends wieder ins Bristol heim. Hat schon was, hier die Treppe mit den Gewehrkolben Hackern (US-Besetzer nach dem 2. Weltkrieg) im Messinggeländer, hinauf ins Mezzanin zu steigen und abends noch Gäste in dem historischen Luxus-Zimmer zu „empfangen“. Natürlich hätte ich auch nichts dagegen gehabt, eine neu renovierte Suite zu besehen – die verschiedenen neu restaurierten Etagen des Hotels verheißen tolle Renovierungs-Arbeit – alles bleibt in schwarzweiß und warmen Ocker Tönen gehalten. „Klassisch“, würde Nestroy seinen Melchior sagen lassen. In der Adventzeit lädt auch der gemütlich warme und traumhaft weihnachtlich dekorierte „Bristmas Punschstand“ in der Mahlergasse zum Verweilen ein.

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Hotel Bristol Wien: Was es noch zu sagen gibt.

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Ich bin abgeschweift. Eigentlich wollte ich nur von unserem Aufenthalt im Wiener Bristol mit Hund berichten. Aber ich habe Geschichte und Gegenwart vermischt und der Artikel ist (wieder einmal) persönlicher geworden als beabsichtigt.

Doch wer als geborene Wienerin im Hotel Bristol nächtigt und mit jedem Schritt an die kulturelle Vergangenheit dieses Hauses und der nächsten Umgebung erinnert wird, dem sei dies erlaubt. Übrigens: Vor 100 Jahren gab das k.u.k Hofoperntheater (also die Wiener Staatsoper)  im November die AIDA.

(Quelle: Theaterzettelarchiv der OENB, anno.onb.ac.at/pdfs/ONB_wtz_19161121.pdf ).

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Theater Affiche in Wien 2016. Nicht zufällig im Bild: Das Gastspiel von Niklaus Habjan – ein MUSS für alle ÖsterreicherInnen.

INFO: Das Hotel Bristol Wien gehört mittlerweilen zur Sacher Gruppe, ist ein First Class Hotel und ein zertifiziertes Umweltzeichen Hotel. Den Direktionshund bekamen wir zwar leider nicht zu Gesicht, aber ihm scheinen wir es unter anderem zu verdanken, dass wir auch mit Hund gern gesehene und sehr geschätzte Gäste waren. Luxuriös wie das Service für die Menschen ist auch jenes für urlaubende Hunde: Mit „Fünf-Sterne-Komfort für Mensch und Tier“ wirbt das Bristol auf der Website und in Restaurant und Bar sind Hunde gerne gesehen. Um einen Aufpreis von €50 pro Tag kommt der Vierbeiner in den Genuss des besagten (wirklich sehr gemütlichen) Hundebetts mit handgemachter Decke, Futternäpfen aus Porzellan und einem ganz persönlichen Geschenk beim CheckIn.

Für OpernliebhaberInnen: Der Salon Opéra lädt anlässlich von Opernpremieren zu einem Afternoon Team ins Bristol – und wie es sich in Wien gehört – mit den Künstlern der Oper nebenan. Demnächst: Falstaff, Il Trovatore, Parsifal.

HINWEIS: Ich wurde vom Hotel Bristol Vienna – The Luxury Collection eingeladen, 2 Nächte mit Begleitung und Hund im Hotel zu verbringen, um darüber berichten zu können. Die Meinungen sind, wie unschwer erkennbar, dennoch meine eigenen.


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