Iglau, Silberstadt und Geburtsstadt von Gustav Mahler: Ein weiterer Stopover auf unserer Campingroute durch die Vysočina. Unser persönliches Highlight des Tages liegt aber in Brtnice: das Josef-Hoffmann-Museum, das Geburtshaus eines der Architekten der Wiener Moderne und der Wiener Werkstätte.


Inhaltsverzeichnis
Jihlava: Silberstadt, Mahler-Geburtsstadt und Untergrund-Labyrinth
Am Wochenende ist in Jihlava, sprich Iglau offenbar wenig los. Wir parken mit Campervan Cicero beim Gymnasium, gratis, ein kurzer Fußweg zum Stadttheater – und stehen schon mitten in einer Stadt, die einst zu den reichsten des damaligen böhmischen Königreichs zählte. Iglau und Brtnice sind ein weiterer Stopp auf unserer Campingtour durchs UNESCO-Triangl der Vysočina.
Zusammen mit Kutná Hora war Jihlava die Schatzkammer der Krone, quasi silberreich als Bergstadt. Der trapezförmige Hauptplatz zeugt noch heute von diesem Reichtum: zwei prächtige Barockbrunnen, eine Pestsäule, und rundherum Bürgerhäuser mit gotischen Kellern.
Jihlava & Brtnice: Mahler und Hoffmann in der Vysočina
Jihlava ist die Kreisstadt der Vysočina in Tschechien, Geburtsstadt des Komponisten Gustav Mahler und einst eine der reichsten Silberstädte des böhmischen Königreichs. Nahebei liegt Brtnice, Geburtsort des Architekten Josef Hoffmann.
- 🎼Gustav Mahler: Geburtshaus mit Dauerausstellung, die Familie lebte hier von 1860 bis 1875.
- 🕳️Untergrund: 25 km mittelalterliche Gänge, zweitgrößtes Labyrinth Tschechiens.
- ⛏️Silberhaus: einstige königliche Münzstätte aus dem 13. Jahrhundert, kürzlich neu eröffnet.
- 🏛️Josef Hoffmann: Geburtshaus in Brtnice, Mitbegründer der Wiener Werkstätte.
- 🅿️Parken: gratis beim Gymnasium, kurzer Fußweg zum Zentrum.
Von den einst fünf Stadttoren steht aber nur noch eines und das ist bei unserem Besuch wegen Renovierung verhüllt: Das Frauentor. Mitten auf dem sonst nicht unhübschen Platz allerdings ein echter Stilbruch: das ehemalige Kaufhaus PRIOR, sozialistischer Plattenbau-Charme pur, von vielen Einheimischen bis heute höchst ungeliebt. Kunststück. Aber wegreißen darf man es auch nicht, weil: Denkmalschutz oder so.



Stadttheater und Kaffeehaus in Iglau
Kurzer Fußweg vom Parkplatz zum Stadttheater mit der Mischung aus historische Front und Neubau: Die alte Bühne wurde 1989 wegen einer geplanten Sanierung geschlossen und nie wieder bespielt, das heutige Horácké divadlo ist ein kompletter Neubau von 1995. Die eigentliche Theatertradition reicht aber bis 1850 zurück, mit Gastspielen aus Wien – und 1866 besuchte sogar Kaiser Franz Joseph I. persönlich die Vorstellung. Gespielt wurde ausschließlich auf Deutsch, erst ab 1920 kam Tschechisch dazu.

Eine Café-Pause ist noch drin für uns Camper unterwegs – und zwar im privat geführten Café Savorsky, sehr nettes Ambiente, Kaffee und Kuchen mit gleichnamigen kleinen Hotel. Gestärkt geht’s weiter auf unseren Spaziergang durch die Altstadt.


Café-Pause zum Bleiben: Hotel Savorsky
Unser Kaffee-Stopp in Jihlava hat auch Zimmer: Das Hotel Savorsky liegt direkt über dem gemütlichen Café, nur wenige Gehminuten vom Gustav-Mahler-Park und der Stadtbrána entfernt. Moderne Zimmer, top bewertetes Frühstück, mitten in der Silberstadt.
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Der Turm der Jakobskirche
Gleich mal den Blick von oben auf Iglau genießen: Wir besteigen den Turm der Kirche St. Jakob des Größeren (kostel sv. Jakuba Většího): 63 Meter hoch, Anfang des 14. Jahrhunderts vollendet, ursprünglich als Wachturm gedacht. Heute dient er als Aussichtsturm, mit einem schönen Blick hinunter über die Dächer der Stadt mit dem hässlichen Shopping Center immer im Blick. Die Kirche selbst wurde schon um 1257 geweiht, im zweiten, niedrigeren Turm hängt “Zuzana”, eine der größten Glocken Tschechiens.




Eigentlich hätten wir sogar noch weiter hinaufsteigen sollen: bis in den beeindruckenden, jahrhundertealten Dachstuhl der Jakobskirche, ein Gebälk aus unzähligen Holzbalken, kunstvoll ineinander verzahnt. Leider fiel diese Sonderführung bei uns aus, der Guide hatte uns abgesagt.

Das Gustav Mahler Museum in Iglau: Von der Schnapsbrennerei zur Wiener Hofoper
Geboren wurde Gustav Mahler zwar im nahen Kaliště, aufgewachsen ist er aber hier in Iglau: Die Familie zog nach Jihlava, als er ein paar Monate alt war, und blieb bis 1875. Sein Vater Bernhard betrieb im Haus eine Schnapsbrennerei mit Gasthaus, und was unten an Volksmusik gespielt wurde, floss später direkt in Mahlers Symphonien ein. So sagt man – und wir lesen es auch in den Broschüren vorort so.




Seine Karriere als Dirigent begann er natürlich in Österreich: 1880 war Mahler für eine ganze Saison Kur- und Kapellmeister im oberösterreichischen Bad Hall, im kleinen hölzernen Sommertheater im Kurpark. Zu seinen Aufgaben gehörte damals nicht nur das Dirigieren von Operetten, sondern auch das Staubwischen des Klaviers und, in den Pausen, das Herumschieben des Kinderwagens der kleinen Mizzi Zwerenz, Tochter des Theaterdirektors. Im heutigen Kurpark erinnert eine Gedenktafel an genau diese Stelle, mehr dazu in meinem eigenen Bericht über den Kurpark Bad Hall. 1889 verkaufte Gustav sein Elternhaus und kehrte – soweit ich weiß – nie mehr hierher zurück.



Von Bad Hall aus ging es für Mahler über Ljubljana, Olomouc, Kassel und Prag bis nach Wien – wo er 1897 Direktor der Wiener Hofoper wurde – eine Stelle, für die er zuvor vom Judentum zum Katholizismus konvertierte. In Wien entstanden einige seiner bekanntesten Werke, bevor ihn die antisemitische Presse 1907 aus dem Amt und zu mehreren Saisonen nach New York drängte. In diese Wiener Zeit fällt auch seine Ehe mit Alma Schindler, spätere Frau Gropius und Frau Mahler. Todkrank kehrte er mit dem Schiff nach Wien zurück.
Tipp: Kostenlose Infofolder auf Deutsch
In den Touristinfos der Region Vysočina gibt’s hervorragende, bunte deutschsprachige Infofolder zu einzelnen Themen: dem Gustav-Mahler-Haus, dem Gustav-Mahler-Park, dem Iglauer Untergrund und den vielen Kirchen im wunderschönen Iglau.
Zurück nach Jihlava: Die Dauerausstellung im Geburtshaus zeigt seine Kindheit, den Einfluss tschechischer Volksmusik auf sein Schaffen und jede Menge historische Fotos, von der Familie, aus seiner Dirigentenzeit, bis hin zu Aufnahmen mit Alma und Infos zum Zusammenleben von Deutschen, Tschechen und Juden einst in Iglau. Mahlers Eltern liegen auf dem jüdischen Friedhof von Jihlava begraben, und dort, wo einst die Synagoge stand, bevor sie 1939 niederbrannte, erinnert heute der Gustav-Mahler-Park an ihn. Den haben wir leider nicht geschafft zeitlich.






Ein Souvenir mit Familienbezug gibt’s übrigens auch zum Trinken: der Mahlerovka, ein alter tschechischer Kräuterlikör nach einem Originalrezept von 1861. Benannt ist er zwar nach dem berühmten Komponisten, erfunden hat ihn aber klarerweise nicht Gustav, sondern sein Vater Bernhard Mahler. Gekostet habe ich den Likör schon in einem Cocktail während einer Pressekonferenz in Hietzing in Wien.

Übrigens gibt es auch ein MURAL in Iglau zu Gustav Mahler: Das riesige Wandbild zeigt Gustav, Alma und seine beiden Töchter. Haben wir leider verpasst und erst später in den Infofoldern gelesen, zu schade.


Silberhaus – Zeugnis der reichsten Zeit Iglaus
Silberstadt sagt man zu Iglau nicht ohne Grund: Das Silberhaus (Stříbrný dům) am Hauptplatz, ein Gebäude aus dem 13. Jahrhundert, das einst als königliche Münzstätte diente, ist grade neu eröffnet worden! Bei der Renovierung fand man im Innenhof Werkzeuge zur Prägung von Silbermünzen, mehrere hundert Jahre alt. Das beeindruckende Haus zeigt das gotische Kellergewölbe die archäologischen Funde, während oben im modern ausgebauten Dachgeschoß mit Glasfront Ausstellungsräume Platz gefunden haben. Und sogar wohnen kann man hier in einem Appartement – alt und modern vereint im Ambiente, ein bisschen spooky aber echt cool. Buchbar ist es aber nicht, denn ich glaube, es ist für VIP Gäste der Stadt reserviert.




Das Muzeum Vysočiny in Iglau
In zwei historischen Häusern mit den Nummern 57 und 58 residiert das Muzeum Vysočiny Jihlava. Seine Wurzeln reichen bis 1895 zurück, damals noch in einer Schulklasse untergebracht, seit 1953 in den heutigen Gebäuden, seit der Kreisreform 2003 unter seinem jetzigen Namen. Innen lohnt schon der Innenhof mit seinen Arkadengängen einen Blick, und die Dauerausstellung “Von der Renaissance bis zur Industriellen Revolution” führt mit Dioramen durch die bewegte Stadtgeschichte, darunter die verheerende Belagerung durch schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg 1645–47, nach der von der einst prächtigen Stadt kaum mehr als 234 Häuser übrig blieben. Das Museum betreut übrigens auch gleich mehrere Außenstellen in der Region, darunter die Burg Roštejn. Wir haben nur kurz reingeschaut, aber waren von der Größe des Museums und der Innenarchitektur der Häuser ganz schön positiv überrascht.






Die Unterwelt von Iglau
Der eigentliche Grund, warum man heutzutage nach Jihlava fährt, liegt aber unter der Erde: 25 Kilometer Gänge, das zweitgrößte unterirdische Labyrinth Tschechiens nach Znaim, im 14. Jahrhundert aus mittelalterlichen Kellern zusammengewachsen, im Zweiten Weltkrieg teils als Luftschutzbunker genutzt. Die große Attraktion dort unten: ein Gang, dessen Wände seit einem Zufallsfund 1978 grünlich phosphoreszieren, sobald man sie anleuchtet. Und einen Geist gibt es auch. Manchmal. Gebaut wurden sie wahrschenilich von Bergleuten, die in den nahen Silberminen beschäftigt waren.
All das wird bei der tschechisch sprachigen Führung kurz erwähnt, wir bekommen deutschsprachige Unterlagen dazu in die Hand gedrückt. Während der Führung will ich aber nicht lesen, sondern schauen und fotografieren – deswegen habe ich im Iglauer Untergrund auch nicht Zettel studiert, sondern gestaunt… Je nach Thematik kann man auch die Luftschutzbunker oder die Versorgungsgänge besichtigen.





Direkt am Eingang zum Untergrund steht übrigens ein Poesiomat: eine Kurbel-Hörstation, die nach ein paar Umdrehungen Aufnahmen abspielt, die mit Gustav Mahler und der zeitgenössischen Jihlavaer Musikszene zu tun haben. Ein netter kleiner Umweg, bevor es hinunter in die Dunkelheit geht. Wir haben lange gedreht, sagen wir es mal so….
Auch daheim im Weinviertel haben wir mit dem Retzer Erlebniskeller den größten historischen Weinkeller Österreichs schon erkundet, 21 Kilometer lang, bis zu 30 Meter tief. Und Znaim hat ja wie gesagt eigene Unterwelt zu bieten. Iglau mit seinen 25 Kilometern Gängen reiht sich da nahtlos ein, offenbar ist die ganze Region zwischen dem Weinviertel und Mähren von einer Unterwelt durchzogen – das passt ja auch zu unseren gemeinsamen Kellergassen, oder?
Tipp: Audioguide für Jihlava
Die App SmartGuide bietet einen offiziellen, kostenlosen Audioguide für Jihlava, auch auf Deutsch, mit mehreren selbstgeführten Touren durchs historische Zentrum und sogar durch den Untergrund. Praktisch: Der Inhalt lässt sich vorab offline herunterladen.
SmartGuide-Tour für Jihlava herunterladenJosef Hoffmann: Von Brtnice zur Wiener Werkstätte
Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet in diesem beschaulichen Städtchen auf halbem Weg zwischen Iglau und Telč einer der einflussreichsten Gestalter der Wiener Moderne und der Wiener Werkstätte geboren wurde? Josef Hoffmann kam 1870 in Brtnice zur Welt, als Sohn eines Textilfabrikanten und Bürgermeisters, der seinen Sohn eigentlich lieber als Juristen gesehen hätte. Hoffmann ging trotzdem seinen eigenen Weg: erst an die Handwerkerschule in Brünn, dann an die Akademie der bildenden Künste in Wien, natürlich gleich zu Otto Wagner höchstpersönlich.
Das Video zum Josef-Hoffmann-Museum Brtnice
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Dort traf Hoffmann auf Joseph Maria Olbrich. Gemeinsam mit Gustav Klimt und Koloman Moser u.a. gründeten sie 1897 die Wiener Secession, jenen Kreis, der mit dem Historismus brechen und Kunst, Handwerk und Alltag wieder zusammenbringen wollte. Olbrich baute das berühmte Secessionsgebäude mit der goldenen Kuppel, Hoffmann gestaltete Foyer und Ausstellungsräume dafür, Klimt und Pepi Auchenthaller (ja der aus Grado mit dem Fortino) malten die Fresken.

1903 dann der nächste große Schritt: Zusammen mit Koloman Moser und dem Bankier Fritz Wärndorfer gründeten Hoffmann et. al. die Wiener Werkstätte, eine Produktionsgemeinschaft von Künstlern und Handwerkern, die Architektur, Möbel, Glas, Silber, Textilien und Schmuck unter einem gemeinsamen künstlerischen Dach vereinen sollte, das sogenannte Gesamtkunstwerk: nichts wurde dem Zufall überlassen, vom Baukörper bis zum Türgriff – wurde alles aus einer Hand geplant und produziert. Fast dreißig Jahre lang, bis 1932, prägte die Werkstätte den Wiener Geschmack: Wer es sich leisten konnte, ließ seine Wohnung, seine Etage, seine Villa vom Silberteelöffel bis zum Canapée, von der Eisdessertschale bis zum Sessel und zum Schlafzimmer von Hoffmann designen.

Der Quadtratl Hoffmann in Wien
Sein Stil ist bis heute unverwechselbar: strenge geometrische Formen, klare Linien, oft reduziert auf Schwarz und Weiß, und eine Vorliebe fürs Quadrat, die ihm in Wien sogar den liebevollen Spitznamen “Quadratl-Hoffmann” einbrachte. Ein hinreißendes Beispiel dafür: das Kabarett Fledermaus, das Hoffmann 1907 in einem Wiener Kellergeschoß an der Ecke Kärntner Straße/Johannesgasse einrichtete. Schwarz-weiß gekachelter Boden, 7000 bunte, ornamentierte Kacheln an Wänden und Bar, eigens entworfene Möbel, sogar die Gläser und Karaffen kamen aus der Werkstätte. Als das Lokal am 19. Oktober 1907 eröffnete, schwärmte die Arbeiterzeitung, was Professor Hoffmann hier geschaffen habe, zähle zu seinen architektonischen Meisterwerken, das könne ihm niemand nachmachen. Klimt gehörte zu den ersten dreihundert geladenen Gästen der Eröffnungsnacht und blieb einer der treuesten Stammgäste.


Wer heute durch Wien spaziert, stolpert fast zwangsläufig über sein Werk: Das Sanatorium Purkersdorf etwa. Für die Bankiersfamilie Knips (ja die Knipsens, die auch Klimt malte) entwarf er über Jahre Möbel und schließlich die Villa in der Nußwaldgasse. Sein absolutes Meisterwerk aber entstand nicht in Wien, sondern in Brüssel: das Palais Stoclet, gebaut für den Bankierssohn Adolphe Stoclet zwischen 1905 und 1911, mit einem berühmten Mosaikfries im Speisesaal von Gustav Klimt, ein Gesamtkunstwerk von der Fassade bis zum letzten Türgriff, heute UNESCO-Welterbe. Tipp: Im Wiener MAK anschauen!






Hoffmann, Klimt und die Primavesis aus Olmütz
Besonders eng wurde die Verbindung zwischen Hoffmann und Klimt über die Familie Primavesi: Otto und Mäda Primavesi sen. wurden zu glühenden Förderern der finanziell angeschlagenen Wiener Werkstätte und engen Freunden Hoffmanns. Für sie baute er auch ein Landhaus im mährischen Winkelsdorf, das für seine legendären Künstlerfeste berühmt wurde. Klimt, Hanak, Moser und Peche gingen dort ein und aus, und Hoffmann selbst erinnerte sich später an die Nächte dort: Offiziell habe man früh zu Bett gehen müssen, aber heimlich hätten sich die Gäste mit dem Hausherrn in den unteren Räumen getroffen, bei gutem Wein und bester Stimmung, und Klimt habe die Gesellschaft sichtlich genossen. Ein Foto vom Faschingsfest 1917/18, Motto “Ägypten”, zeigt Klimt mitten unter ihnen in der Kellerstube. Karten an Emilie Flöge sind überliefert, in denen Klimt von den üppigen Fleischrationen dort schwärmt, während in Wien bitterste Hungersnot herrschte. Hab ich selbst gelesen…
Auch direkt in Olmütz hat Hoffmann Spuren hinterlassen, in der Villa Primavesi, an deren Innenausstattung er gemeinsam mit Klimt mitwirkte.


Auch in Olmütz hat Hoffmann Spuren hinterlassen, in der Villa Primavesi, an deren Innenausstattung er gemeinsam mit Klimt mitwirkte, mehr dazu in meinem eigenen Artikel über die Villa Primavesi in Olmütz.



Das Hoffmann Museum in Brtnice
Und mitten in dieser glanzvollen Wiener Karriere kehrte Hoffmann doch immer wieder hierher zurück, nach Brtnice. Nach dem Tod seiner Eltern baute er das barocke Elternhaus 1907 zu seinem eigenen Sommersitz um. Unter dem Kommunismus durfte über den berühmten Sohn der Stadt praktisch nicht gesprochen werden, das Haus diente als Polizeistation und später als Bibliothek. Erst nach der Wendebegann die Wiederentdeckung, seit 2006 betreiben die Mährische Galerie Brünn und das MAK Wien das Haus gemeinsam als Museum. Drinnen stehen die besagten originale Möbelstücke neben Modellen seiner großen Bauten, darunter auch das Sanatorium Purkersdorf.

Die Sache mit dem Poldi Haus und den Wittgensteins
Eine besonders enge Geschäfts- und Künstlerfreundschaft verband Hoffmann mit dem Stahlmagnaten Karl Wittgenstein, Vater des Philosophen Ludwig Wittgenstein und einer der erfolgreichsten Industriellen der späten Habsburgermonarchie. Für die wichtigen Gäste dieses Werks ließ er 1903 ein eigenes Gästehaus errichten, das “Poldihaus”, und beauftragte damit niemand anderen als Josef Hoffmann mit der Ausstattung, komplett von der Architektur bis zur letzten Türklinke. Hoffmann gestaltete anschließend gleich auch noch die Wiener Zentrale des Unternehmens in der Invalidenstraße, samt Empfangsräumen, Büros und Verkaufsbüro. Passend dazu widmete das Josef-Hoffmann-Museum in Brtnice dieser Geschichte übrigens von Juni 2025 bis April 2026 eine eigene Sonderausstellung: “Josef Hoffmann und das Poldi-Phänomen”.
Da musste ich natürlich gleich weiterrecherchieren – die Familie Wittgenstein führt mich natürlich an den Traunsee und die Villa genau dort im Toscanapark, wo wir heuer bei den Gmunden Festwochen waren…

Wer nach Iglau und Brtnice noch nicht genug hat: Brünn liegt nur eine knappe Autostunde entfernt, meine Sehenswürdigkeiten in Brünn geben dir einen guten Überblick, und die Villa Tugendhat passt thematisch auch immer dazu – Tickets, no problem! Auch Znaim mit seinem eigenen Untergrund liegt gut auf dem Rückweg.
Warum ist Jihlava für Gustav Mahler wichtig?
Mahler wurde zwar im nahen Kaliště geboren, wuchs aber von 1860 bis 1875 in Jihlava auf. Sein Geburtshaus ist heute ein Museum mit Dauerausstellung zu seiner Kindheit und seinem musikalischen Werdegang.
Was gibt es im Jihlavaer Untergrund zu sehen?
25 Kilometer mittelalterliche Gänge, das zweitgrößte unterirdische Labyrinth Tschechiens nach Znaim, mit einem seit 1978 bekannten, grünlich phosphoreszierenden Gang als Hauptattraktion.
Wer war Josef Hoffmann?
Ein 1870 in Brtnice geborener Architekt und Designer, Mitbegründer der Wiener Secession und der Wiener Werkstätte. Sein Geburtshaus in Brtnice ist heute ein Museum.
Wo kann man in Jihlava kostenlos parken?
Beim Gymnasium, von dort ist es nur ein kurzer Fußweg zum Stadttheater und zum historischen Zentrum.
Was ist die Mahlerovka?
Ein alter tschechischer Kräuterlikör nach einem Originalrezept von 1861, benannt nach der Familie Mahler, erfunden von Gustavs Vater Bernhard.
Hinweis: Dieser Artikel entstand in entgeltlicher Kooperation mit Tschechien Tourismus in Wien und Vysočina Tourism.
