Auf Eis gelegt – Unsere Nacht im Iglu.

Wohlmeinende „Verwandte“ wollten uns vor unserer Hochzeit noch einmal auf die Probe stellen: Wenn wir eine gemeinsame Nacht – auf Eis gebettet – von Eis umgeben – und im Eis – gemeinsam überstehen könnten, dann wären wir wohl gewappnet für die langen, kalten Nächte einer Ehe. So oder so ähnlich 🙂 war damals der Grundtenor innerhalb meiner Familie. Wir nahmen die Herausforderung an – im Zillertal.IMG_5828

Am Nachmittag sollten wir uns daselbst still verhalten, also selbst beschäftigen. Das taten wir bei Kaiserwetter Ski fahrend auf den Pisten des Zillertals, denn das Igludorf „White Lounge“ liegt direkt an einer Piste des „Genießerbergs“ Ahorn. Auf sonnigen 2000 Metern. Immer wieder spähten wir bei unseren Abfahrten auf die wenig verheißungsvoll scheinenden klitzekleinen Holzeingänge, hinter denen wir unsere Liegestatt für diese eine Nacht vermuteten. Unter dem Schnee – es sah nicht gerade einladend wohlig-warm aus.IMG_5836

Ich tröstete mich über diese eisigen nächtlichen Aussichten mit heißer Schokolade und Tee hinweg, aber immer mit dem Hintergedanken: „Nicht zuviel trinken, kein Iglu dieser Welt hat eine Indoor – Toilette dabei“. Mit dieser Vermutung lag ich (damals) goldrichtig. Aber dazu später.

Den heißen Welcome-Drink der White Lounge nahm ich trotzdem. Und noch einen. Etc.IMG_5849

Als wir dann frühabends unsere Bett-Statt endlich zum ersten Mal sahen, rannte mir der eiskalte Schweiß über den Rücken, nicht vor Angst, sondern vor Kälte. Ich hatte schon den ganzen Tag über gefroren, es war nicht anzunehmen, dass ich mich hier auf dem Schnee-Bett in der Nacht aufwärmen würde. Egal ob mit Verlobtem oder ohne. Ganz ehrlich.

Auf dem Schnee-Bett waren diverse Lagen aufgetürmt: Felle, Decken, je ein Expeditionsschlafsack. Parole: Nicht zuviel anziehen in der Nacht, Dein Körper macht das schon!IMG_5876

Mein Körper freute sich vor allem auf das deftige Fleisch-Fondue, das wir ebenfalls auf Schnee sitzend im Eis-Schnee-Restaurant-Iglu (mit den obligaten FELLEN 🙂 einnahmen. Die Portionen waren zwar recht übersichtlich, aber zu diesem Zeitpunkt hätte ich auch getrost einen halben Yeti verspeisen können – dieses Leben im Eis und Schnee verlangte meinem Körper schließlich ganz schön was ab.IMG_5905

Draußen vor unseren Iglu-Eingängen flackerte ein lustiges Lagerfeuer, zu trinken gabs genug an der Bar (alle tranken eiskaltes Bier, das werd ich nie verstehen) und schließlich hieß es:

PAROLE: SAUNA – da war ich doch gleich vorne mit dabei.

Von außen ein harmloses Schnee-Iglu, innen fein warm eingeheizt und mit Holz ausgekleidet, inkl. Dusche und Saunakammer. Das schweißt zusammen – vor allem mit den anderen, fremden Iglu-Nächtigungsgästen. Ein letzter Gang danach mit Taschenlampe und in Schneeschuhen zur nächst gelegenen Toilette – in der Bergstation – danach war es soweit: Wir sollten auf Eis und Schnee die Nacht verbringen.IMG_5916

Meine Nase ist immer kalt – das ist auf den Malediven nicht anders als im Schnee Iglu im Zillertal.

Aber das war schon das Einzige Kalte an mir – als ich schließlich nur mit Skiunterwäsche bekleidet und zwei paar Socken nebst MÜTZE (ganz wichtig) gemeinsam mit meiner Digitalcamera und meiner Brille in meinem Expeditionsschlafsack lag. Ach ja, die Flasche Champagner zuvor hatte ich noch vergessen: Wir hatten nämlich wohlweislich das Romantik-Paket von meiner Schwester bekommen, allzuviel wollte uns mal dann wohl doch nicht abverlangen als Jung Verlobte.

Kurz: Mir war wirklich schön warm in meinem Schlafsack. Außer meiner Mütze ragte aber auch nicht viel heraus.IMG_5922

Natürlich kam es wie es kommen musste, das ist beim Camping im Outback oder im Zelt in der Steiermark nicht anders als im Iglu: Ich musste mich nächtens im Stockdunklen aus meinem Schlafsack schälen, Überhose, Anorak und Mütze anziehen, Brille und Taschenlampe finden und dann noch in eiskalte Schneeschuhe schlüpfen, um meinen unvermeidlichen Toilettengang Richtung Bergstation anzutreten. IMG_5950

Vor unserem Iglu erwartete mich allerdings dann die Belohnung: Totenstille, blauschwarzer Himmel, knirschender weißer Schnee und ein leuchtendes Sternenzelt.

Mittendrin ich in eiskalten Schuhen und mit Taschenlampe UND mir war unglaublich WARM- einmal Toilette und zurück.

Ja, wir haben dann einige Monate später geheiratet.

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HINWEIS: Wir haben anno 2010 in diesem Iglu-Dorf „WHITE LOUNGE“ in Mayrhofen/Zillertal genächtigt. Christina und Tom von www.cityseacountry.com haben jüngst auf der Zugspitze im Iglu geschlafen – dort gabs übrigens sehr wohl eine nahe Toilette 🙂 Nachzulesen inkl. VIDEO hier.


 

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